Kapitel 7

Claire

Claire lächelte und nickte dem zweiten Wachmann zu, der zurückgeblieben war, bevor sie wieder in die Suite ging.

Einige Minuten lang schritt sie auf der anderen Seite der Tür auf und ab und beschloss, dass es Zeit für einen neuen Versuch war. Wenn sie zu lange wartete und der erste Wachmann zurückkam, hätte sie ein Problem.

Sie öffnete die Tür, als wäre es ein nachträglicher Gedanke. „Oh, entschuldigen Sie die Störung, aber ich habe vergessen zu sagen, dass ich auch gerne ein Dessert hätte.“ Sie strahlte den zweiten Wachmann an, der sie äußerst misstrauisch beäugte. „Ähm … Eiscreme! Ich hätte gern etwas Eiscreme.“

Die Rolle der dümmlichen Blondine zu spielen, ließ Claire innerlich zusammenzucken, aber sie würde alles tun, um von Lukas wegzukommen.

Glücklicherweise schöpfte der förmlich gekleidete Wachmann keinen Verdacht. Er war lediglich neugierig, wer diese menschliche Frau war, die der Alphakönig in seinem persönlichen Zimmer unter Schutz stellen ließ.

Unter den Leibwächtern kursierten Gerüchte, sie sei seine Seelengefährtin. Aber das konnte nicht sein, die Seelengefährtin des Alphakönigs konnte kein Mensch sein.

Dennoch musste sie ihm wichtig sein, denn er hatte ihnen streng aufgetragen, sie nicht aus den Augen zu lassen.

„Sicher“, stimmte er zu und wartete darauf, dass sie in die Suite zurückkehrte, bevor er sich in Bewegung setzte. Und das tat sie ziemlich schnell mit einem süßen Dankeschön, was für ihn das Zeichen war, ihr zu holen, was sie brauchte.

Leise zählte Claire bis zehn, ihr Herz schlug so schnell, dass sie befürchtete, jemand auf der anderen Seite der Tür könnte es hören. Nach zehn Herzschlägen öffnete sie vorsichtig wieder die Tür und spähte hinaus, um sicherzugehen, dass die Luft rein war.

Das Glück war auf ihrer Seite, denn der gesamte Flur war leer. Es half, dass diese Master-Suite speziell für den Alphakönig reserviert war, denn das bedeutete, dass sich hier niemand herumtrieb.

Das Hotel stellte Flip-Flops zur Verfügung und Claire tauschte ihre Schuhe dagegen ein. Sie eilte die Gänge entlang, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass die Tür richtig verschlossen war.

Sie musste dem Drang widerstehen, loszurennen, während sie willkürlich abbog, ohne darauf zu achten, wohin sie ging. Wenn sie jemand sehen sollte, könnte sie einfach sagen, sie sei auf dem Weg zum Spa und nach dem Weg fragen. Ein Resort sollte doch ein Spa haben, oder?

Als sie ausreichend weit von der Suite entfernt war, verlangsamte sie endlich ihr Tempo. Es spielte keine Rolle, ob die Wachen jetzt zurückkamen, sie würden sie nicht finden können.

Claire sah sich um. Sie befand sich nun in einem anderen Teil des Resorts. Sie war immer noch im Bereich der Hotelzimmer, aber diese hier waren eindeutig für die normalen Leute, die kamen, um den neuen Ort zu erkunden.

Das bedeutete, dass es für sie gefährlich war, hier zu sein. Sie erinnerte sich daran, dass sie ein Mensch war und es gefährlich für sie war, an einem Ort nur für Werwölfe entdeckt zu werden.

Also änderte sie schnell ihre Richtung und ging dorthin, wo sie weniger wahrscheinlich erwischt werden würde: in die Hinterräume, wo die Angestellten des Resorts ihre Arbeit erledigten.

Sie konnte Stimmen und umhereilende Menschen hören, also ging sie noch tiefer hinein. Hier in der Nähe musste es einen Personalausgang geben, den würde sie benutzen und aus dem Hotel entkommen.Claire bog erneut ab und geriet in Panik, als sie von vorn Stimmen hörte. Zurück konnte sie nicht, also sah sie sich nach einer besseren Alternative um. Nur wenige Schritte vor ihr war eine Tür. Sie versuchte es schnell und hätte fast vor Erleichterung geweint, als sie sich öffnen ließ.

Der Raum, den sie betreten hatte, um sich zu verstecken, war ein Schrank voller Ersatzbettwäsche und Kissen. Es roch nach frisch gewaschener Wäsche und war das perfekte Versteck.

Sie wartete leise, bis die Stimmen verklungen waren, und versuchte dann, hinauszugehen. Als sie dorthin kam, woher die Stimmen gekommen waren, fand sie, wonach sie gesucht hatte: einen Ausgang!

Ohne sich darum zu scheren, dass sie nicht für draußen gekleidet war, öffnete Claire sofort die Tür und schlüpfte aus dem Gebäude.

Sie hatte nicht darauf geachtet, als sie hereingebracht wurden, aber jetzt tat sie es. Obwohl es dunkel war, reichte das hell erleuchtete Resort aus, um die Umgebung für sie so weit zu erhellen, dass sie sich orientieren konnte.

Das Hotel war tatsächlich das erste Gebäude nach den luxuriösen Gärten, die das Resort einleiteten. Nach dem Hotel kamen die großen Säle, in denen die Eröffnungszeremonie stattfand, und noch weiter hinten lagen die Attraktionen des Resorts: Spas, Einkaufskomplexe, schicke Restaurants und so weiter.

Claire konnte nicht zum Tor gehen, denn dort würde man sie sofort erwischen. Ihr ursprünglicher Plan war gewesen, auszubrechen und jemanden nach seinem Handy zu fragen, aber nach dem Ausbruch wurde ihr klar, dass sie ein Mensch war und sich daher nicht hier aufhalten durfte.

In dem Moment, in dem man sie finden würde, würde ein Alarm losgehen, und das war das Allerletzte, was sie wollte. Sie brauchte keine Aufmerksamkeit. Obwohl es also ein verrückter Plan mit einer Erfolgsquote von 10 % war, plante sie, in die Wälder zu fliehen und von dort aus ihren Weg zurück in die Stadt zu finden.

Claire ließ sich von ihrer Verzweiflung antreiben. Sie musste so weit wie möglich von Lukas wegkommen; sie ertrug es einfach nicht mehr, bei ihm zu sein.

Nachdem der nächste Schritt ihres Plans feststand, setzte Claire ihn in die Tat um. Sie hielt sich dicht an den Mauern des Hotels, während sie sich zügig tiefer in das Resort hineinbewegte. Hinter dem Hotel gab es keine Mauern mehr; das Resort ging nahtlos in die Natur über.

Anfangs sah alles gut aus, doch ihr Glück war aufgebraucht, als sie zu dem Gebäude kam, in dem die Eröffnungszeremonie stattfand. Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass niemand vor ihr war, eilte sie vorwärts, nur um direkt in einen Mann zu laufen, der draußen eine rauchte. Er hatte sich hinter einer großen Säule versteckt, sodass Claire ihn nicht gesehen hatte.

Er bewegte sich, als er die Anwesenheit einer anderen Person bemerkte, wodurch sie direkt gegen ihn prallte.

Claire schrie auf, als sie gegen einen Fremden knallte, trat einen Schritt zurück und hielt sich wegen des Rückstoßes den Kopf. „Es tut mir so leid …“, begann sie reflexartig, sich zu entschuldigen, nur um dann zu erstarren.

Langsam blickte sie zu dem Mann in dem teuren, dunkelgrauen Anzug auf, eine dicke Zigarre zwischen seinen beringten Fingern, und ihr sank das Herz in die Hose.

Der Mann lächelte, doch die Geste war eiskalt, während er einen tiefen Zug von seiner brennenden Zigarre nahm. „Na, na, was haben wir denn hier?“

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