Die Aufregung

„HEY, APOLLO!“

Isla begrüßte ihren Bruder, der gerade nach Hause gekommen war. Sie sah auf die Uhr an der Wand; es war bereits fünf Uhr morgens.

„Hast du ihn gefunden?“, fragte sie und ging näher auf ihren Bruder zu, der sie nun stirnrunzelnd ansah.

„Was denn? Ich frage doch nur, ob du ihn gefunden hast“, sagte sie und lächelte.

Apollo nickte, was Islas Lächeln bis zu ihren Augen reichen ließ. „Großartig!“, rief sie.

„Hör auf, von diesem Mann zu fantasieren, Isla. Er ist nicht gut für dich. Zero ist wie ein älterer Bruder für dich“, meinte Apollo, während er in Richtung ihrer geräumigen Küche ging.

„Ja, genau. Hast du ihm gesagt, dass er mein letzter Tanz sein wird?“, fragte sie mit vor Aufregung bebender Stimme.

Apollo funkelte sie an. „Du hast mir versprochen, dass du nicht mehr fantasierst –“

„Großer Bruder, ich weiß, okay? Wie auch immer, was möchtest du? Gebrühte Sojabohnen oder heißen Karamellkaffee?“, fragte sie, während sie zur anderen Seite der Küche hinüberging.

Apollo runzelte die Stirn. „Karamellkaffee. Du solltest das Hausmädchen die Arbeit machen lassen –“

„Bruderherz, ich bin schon groß, und wir haben nur Nana Norm, und sie ist schon alt. Du lenkst schon wieder vom Hauptthema ab“, sagte sie und schüttelte den Kopf.

„Zero wird kommen und hat diesem verdammten –“

„Bruder! Nicht fluchen! Ein Baby ist anwesend“, unterbrach sie ihn und hob die Hand.

Apollo zog eine Augenbraue hoch. „Ja, unser Baby. Also untersteh dich, dir einen Freund anzulachen, okay? Du bist zu jung. Du solltest dich erst mal auf dein Studium konzentrieren.“

„Ja, Vater“, erwiderte sie und lachte.

Apollo schüttelte nur den Kopf. Seine Schwester war wirklich verspielt. Sie war ein Stern, der Licht in ihr Leben brachte. Sie war so fröhlich und sah die Dinge immer positiv. Sie war einfach zu rein und unschuldig.

„Also, Zero –“

„Schon wieder Zero?“, fragte er und legte die Stirn in Falten.

Isla lächelte und machte das Peace-Zeichen. „Ich freue mich einfach, und du weißt, dass ich schon immer in ihn verknallt war, seit –“

„Verknallt, oder entwickelt sich da schon mehr, hmm?“

Sie biss sich auf die Unterlippe und machte mit dem weiter, was sie gerade tat. „N-Nur verknallt …“, murmelte sie.

„Sei dir da mal sicher. Konzentrier dich auf dein Studium, du bist nächsten Monat schon Studentin. Du wirst im Wohnheim wohnen –“

„Nein! Das will ich nicht. Ich werde mit meiner besten Freundin in einer Wohnung leben. Mom und ich haben schon darüber gesprochen“, sagte sie und sah ihn an.

Apollo stieß einen tiefen Seufzer aus. „Nimm Nana Norm mit, okay?“

„Was bin ich? Ein fünfjähriges Kind?“, erwiderte sie und stellte die Tasse mit dem Karamellkaffee vor ihn hin. Sie zog den Stuhl ihm gegenüber zurück und setzte sich.

„Ja. Für uns bist du immer noch ein Baby. Du weißt, dass Mom immer mit diesen Geschäftsreisen beschäftigt ist und dich nicht ständig sehen kann. Ich muss auch meine eigene Firma leiten. Ich kann dich auch nicht die ganze Zeit sehen. Du wirst langsam erwachsen und wir wollen nur das –“

„Ich weiß schon, wie ich auf mich aufpassen muss, Bruderherz. Ich kenne meine Grenzen.“

Apollo seufzte. „Du weißt nicht, wie diese Welt funktioniert, Isla.“

Sie lachte und schüttelte den Kopf. „Ich wusste gar nicht, dass ein Gespräch mit dir gleich zu einer Lektion fürs Leben wird. Mach dir keine Sorgen, mein großartiger Bruder. Ich werde mein Bestes tun, um dich und Mom stolz zu machen“, sagte sie.

Apollo lächelte. „Das wissen wir. Und Süße, du machst uns sowieso schon immer stolz“, sagte er und zwinkerte ihr zu.„Oh. Ich fühle mich wirklich geschmeichelt. Hab dich lieb.“

Apollo zog eine Augenbraue hoch. „Hmm … es ist ungewöhnlich, dass du solche Sachen zu deinem großen Bruder sagst“, grinste er, „was willst du?“

Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. „Darf ich bei Becca übernachten?“

Apollo runzelte die Stirn. „Eine Übernachtungsparty?“

Sie nickte und gab sich größte Mühe, vor ihrem Bruder süß auszusehen. „Darf ich?“

„Nein.“

„Ach! Apollo, komm schon. Es ist ja nicht so, als würde ich woanders hingehen. Frag Becca, wenn du willst“, sagte sie.

„Soweit ich mich erinnere, hast du mir das vor ein paar Monaten schon einmal erzählt. Aber wo bist du dann hingegangen? Du bist mit deiner Freundin in eine Bar gegangen, hast dich als volljährig ausgegeben, weil du groß bist, und hast getrunken.“

„Das habe ich nur ein einziges Mal gemacht. Und ich schwöre, wir wollen einfach nur Zeit miteinander verbringen. Du kannst gerne mitkommen, wenn du willst“, sagte sie, aber ein verspieltes Lächeln umspielte ihre Lippen.

„Auf gar keinen Fall.“

Daraufhin brach sie in Gelächter aus und verstummte erst, als ihr Bruder sie finster anstarrte. „Ich hör ja schon auf! Aber du hättest dein Gesicht sehen sollen, als ich Beccas Namen erwähnt habe.“

Apollo nahm einen Schluck aus seiner Tasse und stand danach auf. „Ich gehe nach oben. Denk daran, was ich dir gesagt habe. Hör auf, von Zero zu schwärmen, und keine Übernachtungsparty.“

Sie runzelte die Stirn. „Bitte, bitte?“, sagte sie und legte die Handflächen aneinander.

„Nein.“

„Na gut! Dann lade ich Becca eben hierher ein.“

„Nein!“

Sie zog eine Augenbraue hoch. „Und warum nicht? Ich bin auch Eigentümerin dieses Hauses und habe das Recht, meine Freundin einzuladen“, stellte sie klar.

Apollo kniff sich in die Nasenwurzel. „Okay. Du darfst gehen. Aber ruf mich an, wenn du dort bist. Und bitte, nutz es nicht wieder als Alibi, um in eine Bar zu gehen. Du bist noch minderjährig, Isla.“

Sie salutierte und lächelte. „Aye, aye, Captain“, erwiderte sie.

Apollo schüttelte nur den Kopf und verließ die Küche.

Als er weg war, sprang sie vor Freude in die Luft! „Ja!“

Nun, sie wusste, dass ihr Bruder Becca nur deshalb ablehnte, weil er sie insgeheim irgendwie mochte. Tja, er predigte ihr immer, sie solle aufhören, von Zero zu schwärmen. Dabei schwärmte Apollo selbst für ihre beste Freundin.

Als sie in der Küche fertig war, ging sie nach oben und rief ihre Freundin an.

Sie wählte ihre Nummer, und nach nur dreimaligem Klingeln nahm Becca ab.

„Becca!“, rief sie.

„Was zur Hölle, Isla!“, stieß die junge Frau am anderen Ende der Leitung genervt aus. „Kannst du vielleicht etwas leiser sprechen?“

Isla konnte sich lebhaft vorstellen, wie Becca die Augen verdrehte.

„Ich habe gute Neuigkeiten für dich.“

„Aha?“

„Apollo hat zugestimmt und ich werde vor fünf Uhr da sein. Also …“

„Perfekt! Wir müssen uns auf den Gig heute Abend vorbereiten“, erwiderte Becca.

„Ja, genau! Und ich bin schon super aufgeregt!“

Becca lachte am anderen Ende der Leitung. „Ja, das höre ich an deiner Stimme. Wie auch immer, laut meiner Quelle wird Zero auch da sein.“

Seinen Namen zu hören, ließ ihr Herz flattern und ihren Magen einen Salto schlagen. „Großartig!“

„Allerdings besteht die Möglichkeit, dass dein Bruder auch dort sein wird.“

Bei diesem Gedanken verblasste ihr Lächeln. „Dann müssen wir wohl Vorsichtsmaßnahmen treffen. Aber egal, ihn zu sehen, wird trotzdem schön sein“, antwortete sie.

Becca kicherte leise am anderen Ende der Leitung. „Ich weiß. Also, bis später.“

„Bis später. Tschüss!“, sagte sie und beendete den Anruf.

Sie warf sich auf ihr Bett, starrte an die weiße Decke und hing ihren tiefen Gedanken nach.

Vorheriges Kapitel
Nächstes Kapitel