Kapitel 3

Jake

Sobald mein Vater die Tür öffnete, sah ich die Verachtung in seinen Augen, als sie mein Erscheinungsbild musterten. Na, verdammt nochmal, Pech gehabt. Kaum hatte er den Mund aufgemacht, verpasste er mir auch schon seinen Seitenhieb. „Nun, Jacob, schön, dich zu sehen. Ich schätze, du wusstest nicht, dass man sich schick machen sollte, wir haben nämlich Gesellschaft.“ Ich ließ seinen Anzug und die blank polierten schwarzen Stiefel auf mich wirken. Ja. So etwas würde ich mir nie über den Körper ziehen. Er versuchte, die Beleidigung zu kaschieren. „Du siehst … gut aus“, kommentierte er. Ich grunzte nur und deutete ihm, mich reinzulassen.

Ich war davon ausgegangen, dass seine neue Frau und ihre Tochter da sein würden. Also ja, mir war klar gewesen, dass es nicht nur wir beide sein würden; ich glaube nicht, dass ich den Mann unter vier Augen ertragen hätte. Ich brauchte diesen Puffer, damit ich ihm nicht alles entgegenschleuderte, was ich ihm sagen wollte. Ich folgte ihm in das Haus, in dem ich aufgewachsen war, auch wenn sich seit meinem letzten Besuch vieles verändert hatte. Was früher ein Familienzimmer gewesen war, wirkte jetzt wie eine Art formeller Empfangsraum, mit Möbeln, die ausgesprochen unbequem aussahen, und einer Hausbar.

Die neue Frau, Laura, sieht ganz anders aus als auf der Akte, die er über sie hatte. Auf dem Foto war sie eine natürliche, einigermaßen hübsche Frau gewesen, mit einem schüchternen Lächeln. Was nun vor ihm stand, war eine Frau, die unbehaglich wirkte, fehl am Platz in ihrem konservativen Kleid und dem makellos aufgetragenen Make-up. Jake bemerkte, dass ihre Hände leicht zitterten, als sie an ihrem Martiniglas nippte.

„Jacob, das ist Laura. Meine Frau“, sagte mein Vater und fuhr fort: „Laura, das ist mein Sohn, Jacob.“

Ich trat einen Schritt vor. „Laura, nennen Sie mich Jake. Ich hasse Jacob.“ Ich streckte die Hand aus, um ihre zu schütteln, und sie reagierte steif, der ganze Körper angespannt, von ihr weg geneigt, während sie ihre Hand hastig wieder zurückzog. Nun, Körpersprache kann ich ziemlich gut lesen, und es ist offensichtlich, dass diese Frau mich nicht leiden kann. Nicht, dass es mich kümmern würde, was sie von mir hält—mich macht es bloß wütend, dass Leute so reagieren, nur weil ich lange Haare habe und Motorrad fahre.

Dann sagte mein Vater: „Jacob, das ist Payton, Lauras Tochter. Deine Schwester jetzt, nehme ich an.“ Er bestand immer darauf, mich Jacob zu nennen; Jake klingt für ihn „prollig“. Vermutlich ist genau das der Grund, warum ich es bevorzuge. Ich drehte mich zu der Stelle im Raum, in die er blickte, und war in keiner Weise auf das vorbereitet, was ich sah. Ich hatte nur ein Foto von ihr gehabt, auf dem sie saß, aber dort stand sie nun in so einer engen Hose, wie sie alle Frauen heute tragen, und einem langen grünen Pullover, der straff über ihren Hintern gezogen war—und was für ein Hintern das ist. Eine schmale Taille, von der ich wusste, dass ich sie mit einer Hand umfassen könnte, um sie auf die Theke dieser Bar zu heben, und dann nach oben zu ihren vollen Brüsten. Lange braune Haare mit rötlichen Schattierungen fielen in großen, lockeren Locken ihren Rücken hinab, und große braune Augen starrten mich an, als wäre sie entsetzt über das, was sie sah.

Die Lust, die zuerst meinen Kopf und meinen Körper übernommen hatte, wurde durch Hass ersetzt, als ich den Ausdruck von Angst in ihren Augen bemerkte. Ich schätze, wie ihre Mutter geht sie vom Schlimmsten aus, nur wegen meines Aussehens. Schön. Wenn sie das Schlimmste erwarten, dann sollen sie es bekommen. Ich pirschte auf sie zu, meine Augen fraßen ihren Körper, während ich den Abstand zwischen uns verringerte. Sie wich zurück, wich tatsächlich vor mir zurück, als ich näherkam, und das ermutigte mich nur noch mehr.

Mit einem Grinsen im Gesicht streckte ich die Hand aus und nahm ihre schlaffe Hand, führte sie an meinen Mund und sagte: „Tja, ich wollte schon immer eine Schwester, aber verdammt—ich sollte diese Gedanken über meine Schwester nicht haben.“ Ich tat so, als würde ich ihre Hand küssen, doch stattdessen nahm ich einen ihrer Finger und schob ihn in meinen Mund, ließ langsam meine Zunge darum kreisen, während ich ihn wieder herauszog. Ihre Augen wurden noch größer, doch statt nur Angst sah ich auch Lust durch ihren Blick aufblitzen. Interessant.

„Jacob!“ Mein Vater bellt mich an.

Payton

Ich war wie erstarrt – was zum H-E-zwei-Striche war das? Hat er mir gerade über den Finger geleckt und dafür gesorgt, dass mein Slip feucht wird? Ich presse die Oberschenkel zusammen, um dieses seltsame Gefühl zu dämpfen, das mich überkommen hat, während er weiter auf mich herabschaut und grinst.

Ich höre Roland seinen Namen bellen und meine Mutter nach Luft schnappen. Ich spüre, wie mir die Scham heiß ins Gesicht steigt und die andere Hitze verdrängt, die eben noch wie ein Fluch durch meinen Körper gejagt war. Der Mistkerl. Er macht das mit Absicht, nur um mich in Verlegenheit zu bringen. Ich weiche so schnell ich kann vor ihm zurück und nehme einen dringend nötigen Schluck von meinem Wein.

Roland starrt seinen Sohn finster an. „Musst du mich immer blamieren?“

Jake zwinkert mir zu, bevor er sich zu seinem Vater dreht. „Was denn? Ich habe nur meine kleine Schwester in der Familie willkommen geheißen! Ich kann es kaum erwarten, sie besser kennenzulernen.“ Als er diese Worte sagt, läuft mir ein Schauer über den Rücken, und ich weiß nicht, warum.

Meine Mutter überrascht mich, indem sie die Spannung im Raum durchbricht. „Jake, möchtest du etwas trinken?“ fragt sie.

„Es heißt Jacob, nicht Jake. Bier steht im Minikühlschrank, ich bin sicher, das ist es, was seinesgleichen trinkt“, sagt Roland, während er hinter die Bar geht und ein Bier für seinen Sohn holt. Er reicht es Jake, ohne es auch nur zu öffnen. Jake dreht den Kronkorken ab und wirft ihn mit unheimlicher Treffsicherheit quer durch den Raum in den Mülleimer. Ich kann nicht anders, als zuzusehen, wie er einen langen Zug aus der Flasche nimmt, sein Adamsapfel auf und ab springt. Sogar sein Hals hat lange, sehnige Muskeln.

Plötzlich merke ich, dass seine blauen Augen mich anstarren. Ich sehe hastig weg, aber nicht, bevor ich dieses Grinsen bemerke, mit dem er mich verspottet.

Roland räuspert sich. „Also. Wie ihr alle wisst, sitze ich seit vielen Jahren im Stadtrat. Bürgermeister Wallace geht in den Ruhestand, und er möchte, dass ich für das Amt des Bürgermeisters kandidiere.“ Roland macht eine Pause, damit es einsickern kann. Ich sehe meine Mutter neben Roland stehen, ein aufgesetztes Lächeln im Gesicht. Sie sagt nichts – sie wusste also offensichtlich schon vorher davon. Dann fällt mir auf, wie Jakes eben noch lockere Haltung steif und angespannt wird.

Roland schreitet zu seinem Sohn hinüber. „Und da kommst du ins Spiel, mein Sohn.“ Er legt Jake die Hand auf die Schulter, und Jake zuckt sichtbar zusammen, als er sich unter der Hand seines Vaters wegzieht. „Ich hoffe, ich kann bei dieser Sache auf deine Unterstützung zählen.“

„Warum?“ fragt Jake und nimmt noch einen Schluck von seinem Bier. „Meine Unterstützung hat dich noch nie interessiert.“ Er starrt seinen Vater an, während er sich mit der Hand über den Bart reibt. Ich stelle mir vor, dasselbe zu tun, und frage mich, ob er kratzig wäre oder so weich, wie sein Haar aussieht.

„Nun, Jacob, du warst derjenige, der hier rausmarschiert ist und deinen Onkel und seinen Lebensstil allem vorgezogen hat, was ich dir hätte geben können.“ Ich spüre, wie die Spannung wächst, während sie sich gegenseitig fixieren. „Aber ich bin bereit, das alles beiseitezuschieben. Ein guter Marine in meinem Lager könnte mir nützen. Was sagst du, mein Sohn?“

Jake starrte Roland an, die Nasenflügel gebläht, die Brust hob und senkte sich. Er sah aus wie ein wildes Tier, das jeden Moment angreifen könnte. Ich spürte die Wut, die von Jake ausging. Er sieht meine Mutter an, dann mich. Er knallt seine Bierflasche auf die Theke und stürmt zur Tür hinaus.

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