Kapitel 3

Elizabeth strich sich langsam den Staub von der Kleidung, der seidige Morgenmantel schwang geschmeidig wie Wasser.

Der Mann am Boden stemmte sich hoch, die Augen leicht verengt, während er sie musterte. Seine Stimme war flach, ohne Regung. „Hast du überhaupt eine Ahnung, was es bedeutet, sich mit denen anzulegen?“

Sein salopper Ton verpuffte in der Luft. Elizabeth hob den Blick, sichtbar unbeeindruckt.

„Dann sollen sie eben kommen“, höhnte sie. „Mal sehen, ob sie überhaupt den Mut dazu haben.“

Ihr Grinsen erlosch ohne Vorwarnung. Sie drehte sich um und ging davon, ohne jedes Interesse, die Sache in die Länge zu ziehen.

Diese sich entfernende Silhouette fing Alexander Prescotts Blick, und etwas regte sich in ihm.

Mit der Schuhspitze stieß er einen der Männer an, die zu seinen Füßen zusammengesackt waren, dann zog er sein Handy hervor und rief seinen Assistenten an.

Seine makellosen Züge waren kalt wie Eis. „Schick jemanden, der sich um die Kerle kümmert, die mich überfallen wollten. Sorge dafür, dass ihre Leichen vor Mr. Lanes Haus landen. Er braucht eine kleine Erinnerung daran, was für Abschaum er sich ins Boot holt.“

„Ich fliege morgen zurück nach Capitol City. Räum auf, was übrig ist.“

„Und noch eins – sieh dich für mich nach jemandem um.“

Ein halber Monat später.

Im Regal Palace Hotel im Axis Center war heute der Tag der Verlobung von Isabella Kaiser und Victor Lane.

Ein Bündnis aus altem Geld und Unternehmensadel. Ein echtes Power-Paar.

Da beide Familien in Capitol City Legenden waren, lockte die Veranstaltung die Hälfte der Elite der Stadt an.

Isabella trug ein handgefertigtes Designerkleid, elegant und aufwendig gearbeitet. Auf ihrem Kopf saß ein funkelndes Diadem, jeder Diamant darin fing das Licht. Und der massive Edelstein an ihrem Finger? Ein absoluter Blickfang.

Sie lehnte sich leicht an Victors Arm, lächelte süß, ihr Ausdruck sanft und makellos.

Während alle darauf warteten, dass die Zeremonie begann, surrte der Saal vor Klatsch.

„Man muss es ihnen lassen, die Kaisers haben die richtige Entscheidung getroffen. Isabella passt wirklich zur Familie Lane. Wäre es die andere Tochter gewesen, wäre das ganz schnell nach hinten losgegangen.“

„Ja, ich hab gehört, die, die verschwunden ist – Elizabeth? Total durchgeknallt.“

„Oder? Sie sieht nicht nur fertig aus, ich hab gehört, Manieren hat sie null.“

„Und fang mir bloß nicht mit ihrer Mutter an. Die Leute sagen, sie sei nicht mal Lucas’ Kind.“

„Psst … willst du rausgeworfen werden?“

Isabella hörte das Gerede, und ihr Lächeln wurde nur noch breiter, voller stiller Genugtuung. Genau. Elizabeth war nichts im Vergleich zu ihr!

„Miss Kaiser und Mr. Lane sind wirklich ein umwerfendes Paar“, schmeichelte jemand, der neben Lucas saß, mit einem gewinnenden Lächeln. „Sie können sich glücklich schätzen, so eine wunderbare Tochter zu haben.“

Lucas erwiderte es mit einem bescheidenen Nicken, der Blick voller Stolz, als er zu Isabella hinübersah.

Seit sie den Namen Kaiser angenommen hatte, hatte sie ihm unendlich viel Ehre eingebracht. Diese Verlobung zwischen den Kaisers und den Lanes wurde noch vollkommener, als er es sich je ausgemalt hatte.

Vorn hielt der Zeremonienmeister den Verlobungsvertrag in den Händen und sprach eine Kette von Segenswünschen herunter. Das Publikum klatschte dazu, und beide Familien in der ersten Reihe strahlten vor Freude.

Da krachte es plötzlich laut am Eingang.

Eine umwerfende Frau trat durch die Türen, die sie soeben aufgetreten hatte, und schlenderte hinein, als gehörte ihr der Laden.

Sie trug einen schlichten Trainingsanzug, eine Sonnenbrille verdeckte die Hälfte ihres Gesichts.

Ihr locker gebundener Pferdeschwanz wippte bei jedem Schritt. Sie schob die Brille ab und enthüllte unter dem Licht ein geradezu betörendes Gesicht.

Jedes Augenpaar richtete sich auf sie, und ein Murmeln kräuselte sich durch die Menge.

„Sie ist wunderschön. Wessen Tochter ist das?“

„Tz. So angezogen? Niemals aus einer anständigen Familie.“

Lucas starrte fassungslos auf dieses allzu vertraute Gesicht, sein Ausdruck für einen Moment wie ausgelöscht.

Die Sonnenbrille lässig in einer Hand schwingend, ging Elizabeth ohne Eile zur Bühne, schnappte dem Zeremonienmeister ruhig das Mikrofon aus der Hand. Niemand wagte, sie aufzuhalten.

Sie hob es an und zeigte ein helles, scharfes Lächeln. Ihre Augen fanden Victor, und sie sagte mit zuckersüßer Stimme: „Lange nicht gesehen, Verlobter. Wie lange ist es her? Und jetzt verlobst du dich … mit jemand anderem?“

Ihre Stimme trug klar durch die Anlage, und der Raum explodierte im Chaos.

„Wer zur Hölle ist diese Irre, die Mr. Lane ihren Verlobten nennt?!“

„Wetten, das ist so eine verrückte Fangöre, die sich an ihn ranschmeißen will. Hab ich schon hundertmal gesehen.“

„Was für eine Blamage. Ihre Familie schämt sich bestimmt in Grund und Boden.“

Das Geflüster wurde lauter, und immer mehr Blicke richteten sich anklagend auf Elizabeth.

Panik schoss Isabella in die Brust. Instinktiv rückte sie näher an Victor.

In der ersten Reihe sprang Sophia Murray abrupt auf, starrte Elizabeth mit Verachtung an. „Für wen hältst du dich? Das ist eine private Veranstaltung der Kaisers und der Lanes. Du hast hier nichts verloren. Jemand, schafft sie hier raus!“

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