Kapitel 4

Jett Maverick

Ich liebe das Gefühl von Freiheit auf meinem Bike und wie der Motor schnurrt wie eine gut geölte Maschine. Warum zum Teufel muss meine Stiefschwester so verdammt gut aussehen? Und wann hat sie all diese Kurven bekommen? Die würden einen Heiligen auf die Knie zwingen.

Verdammt, die Frau hat Wahnsinnstitten und ich sollte nicht einmal so über Kitty nachdenken. Sie ist, so erinnere ich mich harsch, auch die Feindin. Unsere Motorradclubs verstehen sich nicht. Ein Krieg braut sich zusammen und wir kämpfen um unser Revier.

Unsere Stiefgeschwister-Beziehung ist mir ein Dorn im Auge und natürlich ist sie der Liebling ihrer Mutter. Ganz zu schweigen davon, dass mein Vater sie wie seine eigene Tochter behandelt. Verdammt kompliziert. Warum zum Teufel musste Kitty überhaupt nach Kalifornien zurückkommen?

Was ist der wahre Grund, warum sie hier ist? Mit ihrer „Ich-mache-nur-Urlaub“-Scheiße kann sie mich nicht täuschen. Da steckt mehr dahinter, als man auf den ersten Blick sieht.

Ich fahre bei einem Diner an meiner Route ran und bringe mein Bike vor dem einstöckigen, roten Backsteingebäude mit einer Leuchtreklame zum Stehen, auf der „Luna’s Diner“ steht. Es ist eine Spelunke, aber hier gibt es den besten Kaffee und das beste Gebäck auf dieser Seite der Stadt.

Bevor ich reingehe, ziehe ich mein Handy aus meiner Lederjacke und drücke die Kurzwahltaste eins, um einen meiner Gangmitglieder anzurufen, Jackson. Auch bekannt als der Vollstrecker. Er ist gebaut wie ein Schrank. Der Mann hat Muskeln auf seinen Muskeln.

Nach ein paar Klingeltönen wird der Anruf entgegengenommen.

„Was gibt’s, Mav?“, sagt er.

„Die Russin ist hier. Haltet die Augen offen. Irgendwas ist faul“, sage ich ihm, während ich beobachte, wie ein alter Kerl aus seinem Truck steigt. Er schlägt die Tür zu und geht langsam auf die Stufen von Luna’s Diner zu.

„Hä, was war das?“, fragt er.

„Ich sagte, die Russin ist hier, wir müssen die Augen offen halten. Irgendwas stimmt nicht. Sie hat vor ein paar Tagen angerufen und gesagt, sie käme für einen Urlaub. Meine Stiefschwester kommt nie für einen Urlaub. Verdammt, das letzte Mal, als ich sie gesehen habe, war auf der Hochzeit und das ist schon ein paar Jahre her.“

„Alles klar, ich werde mal meine Fühler ausstrecken und sehen, was bei den Black Vultures los ist. Also, wie sieht sie aus? Gut?“

Mann, was zum Teufel hat der denn geraucht? „Lass die Scheiße, Alter, sie ist meine Stiefschwester. Wen zum Teufel interessiert es, wie sie aussieht.“ Arschloch! Für so einen Kommentar hat er einen Schlag in die Magengrube verdient.

Tatsächlich ist meine Stiefschwester wunderschön mit diesen aquamarinblauen Augen, die mich herausfordern, obwohl ich nicht einmal in ihrer Nähe bin. Die Art, wie ihre dunklen Wimpern sie umrahmen, und fang gar nicht erst von ihren Lippen an. Voll und schmollend. Die Vorstellung, wie sie mir einen bläst, lässt meine Hose eng werden. Herrgott. Je früher die Russin wieder dorthin zurückkehrt, wo sie hergekommen ist, desto besser.

„Wo bist du?“, fragt mich Jackson. Es klingt, als würde er gerade essen.

„Bei Luna’s Diner. Ich bin bald bei euch. Trommel alle zusammen, wir brauchen eine Besprechung. Sofort.“

„Geht klar. Hey, kannst du mir ein Stück von ihrem Vanillepuddingkuchen mitbringen, wenn du fertig bist?“

Ich seufze. „Was zum Teufel bin ich? Der neue Lieferjunge?“

„Ach, komm schon, Mann. Sei kein Arschloch. Bring ihn einfach mit.“

„Wir sehen uns in dreißig Minuten“, sage ich und beende den Anruf. Verdammter Vanillepuddingkuchen. Was zum Teufel?

Drinnen sitzen nur ein paar Leute an den Tischen und am Tresen. Niemand macht sich die Mühe, sich umzudrehen und nach mir zu sehen. Ich setze mich an einen der Tische und warte darauf, dass eine der Bedienungen kommt und meine Bestellung aufnimmt.

Während ich durch mein Handy scrolle, kann ich nicht anders. Ich muss mir Kittys Instagram-Seite ansehen. Vielleicht finde ich dort einen Hinweis darauf, warum sie zum Teufel noch mal in der Stadt ist.

Viel gibt es da nicht. Eine Menge Bilder von ihr und ihrem Motorrad. Anscheinend hat sie vor ein paar Monaten einen großen Roadtrip gemacht. Dann scrolle ich weiter und sehe ein paar Bikini-Fotos.

Höllenfeuer. Diese Frau hat einen verdammt heißen Körper. Meine Temperatur steigt und mein Herz schlägt viel zu schnell, als ich die schmale Taille sehe, die zu ihren Hüften führt, und diese langen, muskulösen und durchtrainierten Beine.

Hör sofort auf, Alter. Das ist deine Stiefschwester und deine verdammte Feindin!

„Hey, Süßer, was darf's für dich sein?“, fragt eine junge Frau, die an meinem Tisch steht. Sie trägt eine cremefarbene Uniform mit weißem Kragen und kurzen Ärmeln, die von einem weißen Band eingefasst sind. Sie ist hübsch, an einem anderen Tag hätte ich mein Glück versucht.

Im Moment ist mein Kopf jedoch voller schlimmer Gedanken über meine Stiefschwester und wie ich diesen Körper von ihr durchnehmen könnte.

„Kaffee, Apfelkuchen, bitte, und ein Stück Vanillepuddingkuchen zum Mitnehmen.“

Sie schreibt alles auf. „Wär's das für heute?“, fragt sie mit einem süßen Lächeln. Aber nicht süß genug, um mich zu irgendetwas zu bewegen. Außerdem habe ich mit meinen Jungs was zu erledigen.

Ich muss konzentriert bleiben. „Oh, die ist aber hübsch“, sagt die Kellnerin, als sie mein Handy auf dem Tisch sieht, auf dem immer noch Kittys Instagram-Seite mit den Bildern geöffnet ist.

„Ist das deine Freundin? Sie ist ein echtes Glückskind“, sagt sie zu mir.

„Was? Äh, nein. Nicht meine Freundin. Nur jemand, den ich kenne.“ Sie nickt und leckt sich über die Lippen.

„Ich bin gleich wieder da und hier“, sie schiebt mir einen Zettel zu. „Das ist meine Nummer, falls du mal abends was unternehmen willst. Ich bin übrigens Cindy.“

Verdammt, will sie mir so früh am Morgen eine Nummer klarmachen?

„Cool, danke, Cindy.“ Ich nehme den Zettel, von dem ich bereits weiß, dass er draußen im Mülleimer landen wird. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Frauen, besonders wenn ein paar von ihnen auf mir auf und ab hüpfen. Aber der Anblick von Kitty auf diesen Bildern verdirbt mir vielleicht gerade den Appetit auf andere Frauen.

Ich könnte Kitty erwürgen!

Dann erinnere ich mich schonungslos daran, dass Kitty zum feindlichen MC gehört.

Sie wird jemanden umbringen lassen – vielleicht mich

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