Kapitel 2

Arthur schob den Verschluss sorgfältig zu, nahm die Hand aber nicht weg, sondern hielt ihren kleinen, rundlichen Fuß fest.

„Gefällt er dir?“

Chloe wackelte mit dem Fußgelenk, sodass Träne des Wals sanft hin und her schwang. „Ich liebe ihn.“

Schmuck an sich oder sein Preis waren ihr nicht besonders wichtig.

Arthur schenkte ihr immer das Beste und Kostbarste.

Er legte sich hinter sie und schlang die Arme um ihren Körper.

„Ich bin froh, dass er dir gefällt. Als ich die Auktionsankündigung gesehen habe, habe ich mir extra einen halben Tag freigenommen, um dieses Collier für dich zu ersteigern.“

„Du bist so gut zu mir, Schatz.“

Chloe war schon tief schläfrig und schlief sofort nach diesen Worten ein.

Sie bemerkte weder die intensive Besitzergreifung in Arthurs Augen noch hörte sie seine geflüsterten Worte.

„Auch ohne Kinder werde ich dich für immer lieben. Verlass mich nicht, Chloe …“

Am nächsten Morgen.

Als Chloe aufwachte, war Arthur fort, aber auf dem Nachttisch stand ein Glas warmes Wasser.

Seine unerschütterliche Angewohnheit.

Chloe streifte sich einen Seidenmorgenmantel über, trank das Wasser aus und schlurfte in ihren Hausschuhen die Treppe hinunter.

Während sie über den Kaschmir-Seidenteppich ging, fiel ihr auf, dass im Wohnzimmer bereits mehrere Geschenkboxen arrangiert waren.

Die Haushälterin, die gerade geputzt hatte, meldete sich sofort, als sie Chloe sah.

„Mrs. Williams, Sie sind wach. Das sind die neuesten Designerstücke, die Mr. Williams aus der Branche für Sie schicken ließ.“

Chloe nickte. „Ich sehe es.“

Sie ging die Stufen hinunter und öffnete beiläufig eine Schachtel, betrachtete den exquisit gestalteten Schmuck darin mit einem Anflug von Wehmut.

Obwohl sie die Designwelt vor Jahren verlassen hatte, ließ Arthur ihr immer wieder neue Kreationen anderer Designer schicken.

Wie von selbst legte sie eine Hand auf ihren Bauch, ihre Augen füllten sich mit Hoffnung und Erwartung.

Diesmal musste sie schwanger werden.

Arthur wartete schon so lange.

Es war an der Zeit, dass sie ein eigenes Kind bekamen.

„Bitte bringen Sie das alles in mein Zimmer.“

Chloe schob ihre Gedanken beiseite, doch kaum hatte sie ausgesprochen, ertönte das Signal einer neuen Nachricht auf ihrem Handy – von ihrer Halbschwester Avery Scott.

Es war ein Schwangerschaftstestbericht.

Gefolgt von höhnischen Worten: [Chloe, ich bin schwanger. Willst du raten, wer der Vater ist?]

Chloe krampfte instinktiv die Finger um ihr Handy.

Ihre Unfähigkeit, schwanger zu werden, war immer ein Stachel in ihrem Herzen gewesen.

Und jetzt nutzte Avery genau das, um sie zu verhöhnen.

Doch das nächste Bild, das eintraf, ließ jede Farbe aus Chloes Gesicht weichen, sodass ihr das Handy aus der Hand glitt und klirrend auf den Boden fiel.

Ihr Körper erstarrte, ihre Pupillen zogen sich scharf zusammen.

Avery hatte ihr ein Foto von einem Lippenstift geschickt.

Dem gleichen, den sie an jenem Tag in Arthurs Büro gesehen hatte.

Chloe kämpfte gegen das Zittern an, als sie ihr Handy wieder aufhob, ihre schlanken Finger schwebten über dem Bildschirm.

Sie wollte so vieles fragen.

Zum Beispiel, warum Avery gefragt hatte, ob sie wisse, wer der Vater sei.

Warum dieser Lippenstift identisch mit dem in Arthurs Büro war.

Warum Avery ihr solche Bilder schickte.

Was Avery damit bezweckte.

Ihre vollen Lippen pressten sich zu einer schmalen Linie. Nach kurzem Zögern löschte sie all die Vorwürfe, die sie gerade hatte losschicken wollen.

Aufruhr zu stiften war Averys Spezialität.

Sie hatte es im Laufe der Jahre unzählige Male miterlebt.

Außerdem, wenn Arthur sie betrog, dann gab es auf dieser Welt keinen treuen Mann mehr.

Sie waren seit ihrer Kindheit über zwanzig Jahre lang ein Paar, ihr ganzes Leben war ineinander verwoben.

Zwischen Arthur und Avery würde sie ohne zu zögern ihm vertrauen.

Chloe starrte auf den Nachrichtenverlauf, ein kaltes Leuchten trat in ihre Augen.

Damals, nach der Scheidung ihrer Mutter Luna Carter, hatte diese Chloe mit in die Familie Scott gebracht, als sie wieder heiratete.

Im Jahr darauf wurde Avery geboren.

All die Jahre über hatte Chloe böse Blicke ertragen, war wie lästiges Gepäck behandelt und von Avery ständig schikaniert worden.

Luna hatte ihr immer eingebläut, geduldig zu sein, die Güte der Scotts nicht zu vergessen, die sie bei sich aufgenommen hatten.

Sie hatte alles hingenommen – von Haarspangen und Puppen, die ihr als Kind am liebsten waren, bis hin zu Schmuckstücken, als sie älter wurde. Alles war ihr von Avery weggenommen worden.

Und jetzt wollte sie ihr auch noch den Ehemann stehlen?

Lächerlich.

Ihr Handy vibrierte erneut und riss sie aus den Gedanken.

Eine Nachricht von Arthur.

[Chloe, ich habe die Haushälterin gebeten, dir die nahrhafte Suppe zu machen, die du so liebst. Trink sie auf und ruh dich aus. Ich komme heute früh nach Hause, damit wir weiter versuchen können.]

Hitze stieg Chloe in die Wangen. Die Fürsorge und Liebe, die aus seinen Worten sprach, löschte den letzten Rest Zweifel in ihr aus.

Ein glückseliges Lächeln umspielte ihre Lippen, während sie zurücktippte: [Okay.]

Chloe legte das Handy beiseite und ging im Kopf die Tage durch, bevor sie ins Badezimmer ging.

Sie saß da, den Schwangerschaftstest fest umklammert, und als sich langsam zwei Linien abzeichneten, hätte sie beinahe vor Freude geweint.

Sie presste beide Hände auf den Mund, ihr Herz überquoll vor Glück und der süßen Erleichterung, diesen Moment endlich erreicht zu haben.

Nach Jahren des Versuchens hatten sie endlich ihr Baby!

Ihre Periode war schon öfter zu spät gekommen – einmal sogar einen ganzen Monat.

Beide hatten gedacht, das sei die erlösende Nachricht, nur um im Krankenhaus zu erfahren, dass es bloß eine hormonelle Störung war.

Sie würde diese niederschmetternde Enttäuschung nie vergessen – und den flüchtigen Ausdruck von Traurigkeit in Arthurs Gesicht, bevor er sich gefasst hatte, um sie zu trösten.

Aus Sorge, der Test könnte sich irren, eilte Chloe ins Krankenhaus.

Der Arzt saß ihr gegenüber und nickte zuversichtlich zu dem Schwangerschaftsbefund. „Herzlichen Glückwunsch, Mrs. Williams. Sie sind endlich schwanger!“

Die Last, die so lange auf Chloes Brust gelegen hatte, fiel von ihr ab. „Danke, dass Sie mir die ganze Zeit mit der Behandlung geholfen haben.“

„Das ist doch selbstverständlich.“

Kaum hatte der Arzt ausgesprochen, meldete sich Arthur am Telefon.

In seiner Stimme lag ein Hauch kaum verhohlener Dringlichkeit, während er vor den bodentiefen Fenstern stand, die Stirn leicht gerunzelt.

„Chloe, warum bist du so plötzlich ins Krankenhaus gegangen? Geht es dir nicht gut? Soll ich sofort zu dir kommen?“

Chloe klammerte sich mit einer Hand an die Testergebnisse und wäre beinahe mit der Nachricht herausgeplatzt.

Aber nächste Woche war Arthurs Geburtstag – sie wollte ihm das als Geschenk überreichen.

Sie schob eine Ausrede vor. „Ich war nur wieder zu einer Untersuchung da, aber es gibt noch immer keine guten Neuigkeiten.“

Arthurs Stimme war sanft und beruhigend: „Mach dir keine Sorgen. Wir werden irgendwann ein Baby haben.“

„Mm.“

Chloe brummte zustimmend und schulterte ihre Handtasche, während sie hinausging.

„Chloe.“

Arthur meldete sich noch einmal, diesmal zögerlicher.

„Was ist?“ fragte Chloe verwundert.

Seine unsichere Stimme klang durchs Telefon.

„Wenn wir ein Kind adoptieren würden, das dir sehr ähnlich sieht, würdest du dieses Kind lieben?“

„Natürlich würde ich das“, antwortete Chloe ohne zu zögern. „Aber ich möchte trotzdem ein Baby, das wirklich unseres ist.“

Während sie das sagte, konnte sie nicht verhindern, dass sich ein Lächeln auf ihre Lippen stahl.

Jedes Wort auf diesem Schwangerschaftsbefund strahlte pures Glück aus – sie fühlte sich, als würde sie auf Wolken schweben.

Sie hatte bereits Hunderte von Namen für ihr zukünftiges Kind durchgespielt.

Es war Zeit, einen auszuwählen.

Würde es ein Junge oder ein Mädchen werden? Würde das Baby ihr ähnlicher sehen oder Arthur?

Wie auch immer – dieses Kind würde sie mit all ihrer Liebe überschütten.

Arthur hatte so lange darauf gewartet – er würde vor Freude aus dem Häuschen sein und ein wunderbarer Vater werden.

Etwas Dunkles flackerte in Arthurs Augen auf.

Wie automatisch griff er nach den Zigaretten in seiner Schublade, zog die Hand dann aber wieder zurück – sie versuchten ja noch, ein Kind zu bekommen.

Selbst durchs Telefon konnte er sich das Leuchten vorstellen, das jetzt bestimmt in Chloes Augen stand.

Nach einem Moment des Schweigens sprach er langsam.

„Chloe, wenn ich jemals etwas falsch machen würde, würdest du mir verzeihen?“

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