Kapitel 2 Kapitel 2
Xander
„Dein–“ Sie schluckte so heftig, dass ich sah, wie sich ihr Kehlkopf hob. „Haus?“
„Ja.“ Wieder ließ ich meinen Blick über die ganze Länge ihres Körpers wandern und strich mir mit der Zunge über die Lippen. Ihr Körper war dafür gemacht, angestarrt zu werden. Straff und gebräunt, und die engen Jeansshorts und das Tanktop betonten jede einzelne ihrer Kurven auf die bestmögliche Art.
Sie war genau die Art Frau, die ich auf einer meiner Partys haben wollte – oder sie wäre es gewesen, wenn da nicht blanke Angst in ihren Augen gelegen hätte.
Ich wusste, die Reapers hatten einen Ruf, aber eine Frau wie sie hatte vor keinem von uns etwas zu fürchten. Wir würden sie ganz sicher verderben – nur eben auf die bestmögliche Weise.
„Okay.“ Sie zog das Wort in die Länge. „Na ja, nett, dich kennenzulernen, Xander, aber ich will mich nicht in deine Party drängen.“
„Das würdest du nicht. Warum kommst du nicht rüber und trinkst was mit mir, Nachbarin?“ Ich ließ meine Hand, wo sie war, aber sie machte keine Anstalten, sie zu nehmen. „Ich verspreche dir, ich passe auf dich auf.“
Auf jede erdenkliche Art, fügte ich in Gedanken hinzu.
Einen Moment lang starrte sie auf meine Hand, dann schob sie ihre langsam in meine. „Nett, dich kennenzulernen, aber ich sollte zurück zu–“ Sie warf einen Blick über die Schulter. „Na ja, ich sollte wieder nach Hause.“
„Wartet da jemand auf dich?“
In dem Moment, in dem ich es sagte, wusste ich, dass ich es nicht hätte sagen sollen. Es klang verdammt creepy und mehr als nur ein bisschen bedrohlich. Sie riss ihre Hand aus meiner und verschränkte die Arme vor der Brust, drückte ihre Brüste gegeneinander.
Ich konnte nicht anders. Ich sah runter. Wie der dünne Baumwollstoff sich um sie schmiegte.
„Das geht dich überhaupt nichts an“, fauchte sie.
„Irgendwie schon, Boo. Ich mein, wenn da hinten ’n Mann ist und der lässt dich allein hier rüberlaufen, dann muss ich mit ihm ein Wörtchen reden. Ganz nett. Ganz leise.“
„Ich brauch nicht–“ Sie schnaubte. „Verarschst du mich gerade?“
„Teilweise“, gab ich zu. „Aber wenn du einen Kerl hast, dann sollte der dich so einen Scheiß nicht machen lassen. Wenn das jemand anderes als ich gewesen wäre – Gott weiß, in was für Ärger du geraten wärst.“ Ich grinste sie an, ein Blitz Weiß auf meiner lohfarbenen Haut. „Oder ist Ärger vielleicht genau der Grund, warum du rübergekommen bist? Wie heißt du, Boo?“
„Cha–“ Sie biss sich schon wieder auf die Lippe. „Lottie“, sagte sie schließlich.
„Dann komm und trink was mit mir, Lottie. Ich wette, du bist deutlich bessere Gesellschaft als die Leute, die gerade versuchen, meine Aufmerksamkeit zu kriegen.“ Ich lachte, und nach einem Moment stimmte sie mit ein.
Es war ein musikalisches Geräusch. Mädchig und ein bisschen atemlos. „Wenn du sie nicht magst, warum hast du sie dann eingeladen?“
Das war die Frage, nicht wahr?
Es war schwer, das jemandem zu erklären, der nichts mit dem Club zu tun hatte. Ich erwartete nicht, dass sie es verstand. „Einer meiner Brüder wurde zum Sergeant at Arms befördert–“ Ich sah ihren leeren Blick. „Sagen wir einfach, es war eine wohlverdiente Beförderung. Das hier ist total sein Ding.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Ich würde dich ja vorstellen, aber er steckt wahrscheinlich gerade bis zu den Eiern drin–“ Zu spät merkte ich, was ich gesagt hatte. „Ups, Boo, hab ich dich damit gerade schockiert?“
Stumm suchte ich ihr Gesicht ab. Sie sah überhaupt nicht schockiert aus, was mich überraschte.
Sie schüttelte den Kopf, eine Strähne karamellblonden Haars löste sich aus ihrem Messy Bun und fiel herab. „Überhaupt nicht. Es ist nur nicht so mein Ding.“
„Meins auch nicht“, gab ich mit einem Seufzen zu und musterte sie. Sie war umwerfend, daran gab es nichts zu rütteln. Das sprichwörtliche Mädchen von nebenan – aber da war noch etwas anderes. So eine Art Badass-Aura, die sie von hübsch zu höllisch heiß machte.
„Ist das der Grund, warum du dich versteckt hast?“ Für einen Moment glitzerten ihre Augen im flackernden Licht der Party. „Oder hast du mich ausspioniert?“
Ich warf den Kopf in den Nacken und lachte. Witzig und süß – das war eine gefährliche Kombination, vor allem in meiner Nähe. „Wenn ich gewusst hätte, dass du nebenan eingezogen bist, wäre ich definitiv der Spanner gewesen, Boo – aber nein. Ich hab nur frische Luft geschnappt.“
„Deine Party ist draußen“, erinnerte sie mich.
„Heißt nicht, dass die Luft frisch ist“, sagte ich. „Also, was sagst du – trinkst du was mit mir?“
Lottie biss sich auf die Lippe. „Ich weiß nicht.“
Das glückliche Lächeln glitt ihr aus dem Gesicht. In einem Augenblick war sie nicht mehr unbeschwert, sondern angespannt.
„Wer ist da?“
„Nur der Club, ein paar alte Damen, ein paar Club-Bunnies und Mitläufer –“
„Also nur die Reapers?“
Ihre Frage schockierte mich, aber plötzlich ergab alles Sinn. Dieses Mädchen hatte vielleicht noch nie mit uns zu tun gehabt, aber sie war definitiv schon mal mit einem anderen Club aneinandergeraten.
„Nur die Reapers.“ Ich bot ihr meinen Arm an. „Und selbst wenn nicht – ich lass nicht zu, dass dich irgendwer belästigt.“
„Versprich’s“, flüsterte sie.
Gegen meine Jeans wurde mein Schwanz hart – verdammt, warum musste sie so bittend klingen?
Eine witzige, umwerfende Dame in Not – offiziell mein Kryptonit.
„Versprochen. Komm schon, wir müssen nicht mal zur Party.“ Ich fing ihren Blick auf und lachte. „Ich meinte nur, ich hol ’ne Flasche, und wir trinken hier vorn auf der Stufe.“
„Ich will dich nicht von deinen Gästen wegziehen.“
Sie war auch noch höflich.
„Glaub mir, Süße, du würdest mir einen Gefallen tun.“ Wieder bot ich ihr meinen Arm an, und diesmal hakte sie sich bei mir ein. „Nur ein Drink. Der Nachbarschaft zuliebe“, sagte sie entschieden.
„Natürlich“, stimmte ich schnell zu. „Obwohl, wenn du wirklich nachbarschaftlich sein willst –“
Ich ließ den Rest unausgesprochen und lachte stattdessen.
Ich hatte mich vor diesem Sommer gefürchtet; für mich war das nie eine gute Zeit. Aber mit Lottie nebenan sah endlich alles besser aus.
Zwei Minuten lang saßen wir auf den breiten Stufen vorn und gaben eine Flasche zwischen uns hin und her. Bei jedem Schluck verzog sie das Gesicht und machte ein Geräusch, als würde sie gleich würgen, aber kein einziges Mal schob sie die Flasche weg.
Stattdessen lehnte sie sich zurück und sah sich um. „Also –“
„Also?“ Ich setzte die Flasche an die Lippen und wartete, dass sie weitersprach.
Aus dem Augenwinkel sah ich, wie sie zu mir rüberschielte. „Was soll die Maske?“
„Oh.“ Kichernd zog ich sie wieder über die Lippen und drehte mich zu ihr. „Gefällt sie dir nicht? Ich dachte, ihr Mädels steht heutzutage alle auf dieses Maskenmann-Ding?“ Ich rückte näher. Ich konnte sie noch nicht ganz lesen, aber fast.
Ich spielte ein gefährliches Spiel. Wir hatten uns gerade erst kennengelernt, und ich wusste jetzt schon, dass sie nicht der Typ Mädchen war, der mir sofort an die Wäsche ging.
„Manche wahrscheinlich schon.“ Sie starrte mir weiter in die Augen, musterte mich, obwohl sie mich eigentlich gar nicht richtig sehen konnte.
„Aber du nicht?“
„Ich sehe lieber, wer mich mit Blicken auszieht.“
Ich verschluckte mich am Scotch. „Woher weißt du, dass ich dich mit Blicken ausziehe? Du kannst meine Augen doch gar nicht sehen.“
Sie zuckte mit den Schultern. „Eine Frau merkt sowas einfach.“
Ein Herzschlag verging, dann war ich in Bewegung. Ich sperrte sie zwischen meinen Armen ein und drückte sie auf die Steintritte hinunter. „Du willst, dass ich die Maske abnehme, damit ich dich ficken kann, weil –“
Verdammt, sie war heiß.
„X.“ Von hinten aus dem Haus schrie jemand meinen Namen. „X, du musst kommen. Irish ist –“
Es krachte laut, und jemand schrie auf. Stöhnend stieß ich mich von Lottie ab und kam auf die Füße. „Ich muss das regeln, bevor er mir das ganze Haus zerlegt. Willst du mitkommen, damit wir später da weitermachen können?“
Sie nahm noch einen letzten langen Zug direkt aus dem Flaschenhals und schüttelte den Kopf. „Nein danke. Danke für den Drink, Xander, aber ich sollte wirklich zurück.“
Sie schnellte auf die Beine, schlenderte davon, und meine Augen waren machtlos – sie konnten nirgends anders hinsehen als auf ihren runden Arsch, bis es wieder krachte. Und es klang verdächtig danach, als würde mein Terrassenmöbelzeug in den Pool fliegen.
Verdammter Irish.
