Kapitel 2

Edward erwachte, schlug die Augen auf und sah sich mit braunen Locken konfrontiert, die über den schlanken, völlig nackten Rücken der Frau in seinen Armen fielen. Das Zimmer roch schwer nach Sex. Rasch stellte er fest, dass auch er unter den weichen Seidenlaken nackt war.

Einen Moment lang war er verwirrt, bis ihm einfiel, dass er Veronica eingeladen hatte. Der Diener musste sie letzte Nacht auf sein Zimmer gebracht haben. Der Zustand des Zimmers und ihre Nacktheit verrieten ihm, dass sie miteinander geschlafen hatten.

Er runzelte die Stirn, als sie sich regte und umdrehte. Ihr Gesicht wurde sichtbar – und es war nicht Veronica. Rasch setzte Edward sich auf und glitt aus dem Bett. Seine Gedanken überschlugen sich vor Verwirrung darüber, wer die fremde Frau war, die in seinem Bett lag. Durch seine hastigen Bewegungen schlug sie die Augen auf. Onyxschwarze Augen trafen auf strahlendes Babyblau. Als Edward ihre Augen sah, fühlte er sich unweigerlich an das leuchtende Hellblau eines sonnigen Himmels erinnert.

„Wer bist du?“, donnerte er.

Sarah erstarrte, die Augen groß wie Untertassen, wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Als sie eingewilligt hatte, Veronicas Platz einzunehmen und einen Fremden zu heiraten, hatte sie keinen Gedanken daran verschwendet, wie er aussehen könnte. Aber sie hatte ganz sicher nicht mit einem Mann gerechnet, der aussah wie ein Adonis.

Sie versuchte, den Blick zu senken, doch er fiel unweigerlich auf seine Morgenlatte, die stolz aufragte. Sie lief feuerrot an, als die Erinnerungen an die vergangene Nacht über sie hereinbrachen.

Edward starrte die Frau in seinem Bett noch immer an, während es in seinem Kopf ratterte. War sie von den Maxwells geschickt worden? Aber sie war nicht Veronica. Ihm fiel wieder ein, dass er nackt war. Er hob seine achtlos zu Boden geworfene Unterhose auf und zog sie an, ohne die fremde Frau auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen.

Sarah war ein wenig erleichtert, dass er sich bedeckt hatte. Gleichzeitig wurde sie sich ihrer eigenen Nacktheit unter den Laken nur umso bewusster und zog sich die Decke bis über die Brust.

Edward bemerkte es, sparte sich jedoch jeden Kommentar. „Hör zu, entweder du sagst mir jetzt, wer du bist und wie du in mein Bett gekommen bist, oder ich lasse dich verhaften“, zischte er, während seine Geduld allmählich riss. Er hasste es, warten zu müssen oder sich zu wiederholen.

Sarahs Kopf ruckte in die Höhe, und ihre Augen weiteten sich panisch. „Bitte tun Sie das nicht. Ich bin Sarah … Sarah Maxwell“, stotterte sie.

Edward zog verwirrt die Augenbrauen zusammen. „Maxwell?“, fragte er, und Sarah nickte heftig. Der Name Sarah sagte ihm überhaupt nichts, er kannte nur Veronica.

„Bist du mit den Maxwells verwandt?“, hakte er nach, um zu begreifen, wie und warum sie hier gelandet war.

Sie nickte erneut. „William Maxwell war mein Vater. Ich bin wegen der Vertragsbedingungen hier“, platzte sie hastig heraus, überwältigt von ihrer Nervosität und einer wachsenden Beklemmung.

Edward begriff überhaupt nicht, was hier vor sich ging. Er hatte der Investition in das Unternehmen nur zugestimmt, weil es eine gute Gelegenheit war, eine große Menge an Firmenanteilen zu erwerben. Die Bedingung der Eheschließung hatte er hinzugefügt, weil er bereit war, sesshaft zu werden, und fand, dass die schöne Tochter der Maxwells gut zu ihm passen würde.

Soweit er sich an die Hintergrundüberprüfung erinnerte, die er hatte durchführen lassen, gab es nur eine einzige Tochter – Veronica. Was zur Hölle ging hier eigentlich vor?

„Soweit ich weiß, haben die Maxwells nur eine Tochter, und das ist Veronica Maxwell. Ich weiß, wie sie aussieht, und das bist du nicht“, sagte Edward mit einer Stimme, die vor Zorn bebte.

Edward hasste es, betrogen oder für dumm verkauft zu werden, und er verschonte niemals diejenigen, die ihn täuschten, vor seinem beißenden Zorn. Gnade den Maxwells, wenn sie versuchten, ein falsches Spiel mit ihm zu treiben.

Sarahs Puls raste vor Angst und aufsteigender Panik. Ihre Nacktheit verstärkte ihr Gefühl der Verletzlichkeit.

„Ich sage dir die Wahrheit. Ich bin nicht Veronica, sondern Veronicas Schwester … Halbschwester“, fügte sie mit zittriger Stimme hinzu.

Edwards Aufmerksamkeit wurde kurzzeitig von den Flecken abgelenkt, die er zweifellos auf ihrem schwanengleichen Hals hinterlassen hatte, doch ihre Enthüllung riss ihn jäh aus seiner Trance.

Edward war nun noch verwirrter. Er wollte gerade noch etwas sagen, als es an der Tür klopfte.

„Was?“, schnauzte er wütend.

„Sir, jemand ist hier, um Sie zu sprechen“, antwortete ein Diener hinter der Tür.

„Ich bin beschäftigt. Schicken Sie sie weg. Sofort!“, donnerte er, während er Sarah weiterhin mit seinem scharfen Blick fixierte, unter dem sie sich wand und ängstlich zurückwich.

Sarah hatte Angst. Der Mann vor ihr sah aus, als würde er sie gleich ermorden. Sie konnte nicht glauben, dass dies derselbe Mann war, der sie verführt und die ganze Nacht lang mit ihr geschlafen hatte.

„Mrs. Maxwell sagte, es sei äußerst dringend“, beharrte der Diener.

Bei der Erwähnung dieses Namens schnellten die Köpfe von Edward und Sarah zur Tür herum.

„Ich bin gleich da“, antwortete er und wandte sich wieder Sarah zu.

„Zieh dich sofort an“, befahl er, bevor er in seinem Ankleidezimmer verschwand.

Sarah ließ sich vom Bett gleiten und zuckte unter dem Schmerz zusammen, der zwischen ihren Beinen aufschoss.

Während sie sich trotz ihrer Schmerzen und ihres Unbehagens anzog, war sie fahrig und nervös.

Sie war gerade fertig mit dem Anziehen, als ihr Blick auf den roten Blutfleck auf dem Bett fiel … eine schonungslose Erinnerung daran, dass sie keine Jungfrau mehr war.

Edward kam vollständig angekleidet aus seinem Ankleidezimmer und sah, wie Sarah auf den Blutfleck auf dem Bett starrte.

Er war schockiert darüber, dass sie noch Jungfrau gewesen war, und er empfand ein leises Bedauern für die harsche Art, mit der er sie den ganzen Morgen über behandelt hatte.

Als ihm die gegenwärtige Situation wieder einfiel, unterdrückte er seine Reue, und das harte Funkeln kehrte in seine Augen zurück.

„Gehen wir.“

Sarah war überrascht, dass er schon wieder im Zimmer war. Sie riss hastig an dem Laken, um zu verhindern, dass er ihn sah.

Sie wollte das Laken gerade schnell abziehen, als Edward sie an den Armen packte.

„Ich erinnere mich sehr genau, dir gesagt zu haben, dass du nach unten gehen sollst. Ich hasse es, mich zu wiederholen. Aber noch mehr hasse ich es, wenn man mir den Gehorsam verweigert“, warnte er mit kalter Stimme.

Sarah schluckte schwer, zu Tode erschrocken über den Zorn in seinen Augen.

Warum war er seit dem Aufwachen so wütend auf sie? Letzte Nacht war er viel netter gewesen.

Sie blickte auf den Fleck auf dem Laken und er tat es ihr gleich, ein teuflisches Grinsen auf den Lippen.

„Ich habe ihn bereits gesehen. Hör auf, die schüchterne Jungfrau zu spielen, und komm jetzt mit.“

Edward packte ihren Arm noch fester und zog sie mit sich die Treppe hinunter.

Sobald Estelle Sarah erblickte, stürzte sie auf sie zu und fand sofort in ihre Rolle.

Unter falschen Tränen, die jeden hätten täuschen können, der nicht wusste, wie sehr sie das Mädchen hasste, rannte Estelle auf Sarah zu und griff nach ihren Armen.

„Oh Sarah, wie konntest du deiner Schwester das nur antun?“, weinte sie bitterlich.

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