Kapitel 1 1
MITTERNACHTSFEGEFEUER
BUCH 1 DES BUGROV-BRATVA-DUOS
Mein umwerfender Nachbar hat gerade meine Kiste mit „persönlichem Spielzeug“ gefunden.
Und meine Mission, sie mir zurückzuholen …
Endete in seinem Bett.
Eigentlich sollte es nur ein Scherz sein:
Meiner besten Freundin zu ihrem Polterabend versautes Spielzeug schenken und sie vor ihrer Familie in Verlegenheit bringen.
Aber als mein Paket irrtümlich bei meinem umwerfenden, geheimnisvollen Nachbarn landet,
bin ich diejenige, die am Ende vor Scham im Boden versinkt.
Ich schleiche zu ihm rüber, um zu versuchen, es zurückzustehlen, bevor er es findet.
Das Problem ist, dass ich mitten beim Diebstahl erwischt werde …
Und dann lässt er mich zum Abendessen bleiben.
Aus dem Abendessen wird Nachtisch, und aus dem Nachtisch wird … ein anderer Nachtisch, wenn du verstehst, was ich meine.
Mehrere Gänge süßer, sündiger Versuchung.
Zu meiner Verteidigung: Aus der Nähe ist er noch umwerfender als von meinem Schlafzimmerfenster aus.
Als ich am nächsten Morgen endlich wieder zu Hause bin, öffne ich meine erbeutete Beute.
Aber offenbar habe ich das falsche Paket geschnappt.
Und das blutige Chaos, das ich darin finde, wird mein Leben für immer verändern.
Wie sich herausstellt, ist mein heißer Nachbar ein Boss der russischen Bratva – mit tiefen, dunklen Geheimnissen.
Wie sich außerdem herausstellt, hat er mich auch noch geschwängert.
Mitternachtsfegefeuer ist Buch 1 des Bugrov-Bratva-Duos. Uris und Alyssas Geschichte geht in Buch 2 des Bugrov-Bratva-Duos weiter: MITTERNACHTSZUFLUCHT.
1
ALYSSA
Es kommt im Leben jeder jungen Frau einmal der Moment, in dem sie in eine … sagen wir: klebrige Lage gerät.
Das ist mein Moment.
Ich hänge an den Fingerspitzen halb über den Zaun, der meinen Hinterhof vom Hinterhof meines umwerfenden Milliardärs-Nachbarn trennt. Normalerweise klingt das nach einem Problem, das sich lösen lässt, oder? Kletter einfach zu Ende drüber, du dumme Gans.
Ein wichtiges Detail ist, dass – nach irgendeiner grausamen Laune des Universums – meine Leggings gerade an einem herausstehenden Nagel hängen geblieben sind und weit aufgerissen wurden. Dieser lästige kleine Haken tut zwei Dinge: erstens, er nagelt mich an Ort und Stelle fest; und zweitens, er enthüllt jedem, der zufällig vorbeikommt, dass ja, ich ein scheußlich dünngetragenes Paar Oma-Schlüpfer anhabe, und ja, darauf prangt tatsächlich Garfield mit einem lasagnevollen Maul und dem Spruch: Ich hasse Montage. Dass heute Donnerstag ist, macht es nur noch schlimmer.
Es gibt noch andere Probleme.
Zum Beispiel die Tatsache, dass die Kiste mit meinen frisch gekauften Sexspielzeugen, die ich mir hier von meinem Nachbarn zurückstehlen will, gerade unten auf dem Boden zu meinen Füßen liegt, gaaanz knapp außer Reichweite.
Zum Beispiel die Tatsache, dass ich hier technisch gesehen Hausfriedensbruch begehe und – wenn man den Gerüchten glauben darf – mein Nachbar genau die Sorte gewalttätig prozesswütiger Tech-Tycoon mit zweifelhaften Mafia-Verbindungen ist, der mich schnurstracks vor Gericht zerren wird, wenn er mich erwischt.
Und nicht zuletzt ist da noch die Kleinigkeit, dass besagter Nachbar genau in diesem Moment über seinen Rasen auf mich zukommt.
Denk nach, Alyssa. Denk nach. Was würde Ziva tun?
Ich zucke schon zusammen, sobald mir der Gedanke durch den Kopf schießt. Ziva wäre gar nicht erst in diese Situation geraten. Aber Ziva ist auch nicht hier, um mich da wieder rauszuhauen.
Meine beste Freundin Elle auch nicht, diejenige, die an diesem ganzen Schlamassel eigentlich wirklich schuld ist.
Na ja, irgendwie. Denn streng genommen sind das nicht meine Sexspielzeuge, die ich hier abholen wollte. Die Kiste mit Dildos und ähnlichem von Eve’s Garden ist ein Scherzgeschenk – Wortspiel absolut beabsichtigt – für Elles bevorstehenden Junggesellinnenabschied.
Allein der Gedanke an den Inhalt reicht, damit mir die Wangen heiß werden. Seit ich mich endlich getraut habe zu bestellen, habe ich den Beleg bestimmt tausendmal überprüft, also kenne ich den Inhalt auswendig. Enthalten ist Folgendes:
– Ein (1) Paar Handschellen, ausgekleidet mit glitzerndem pinkem Kunstfell
– Vier (4) Lederfesseln für die Gliedmaßen (je zwei für Hand- und Fußgelenke), die offenbar an eine Art Stahlring am unteren Rücken geschnallt werden und die Trägerin so zusammengebunden und bloßgestellt zurücklassen wie einen Truthahn zu Thanksgiving (Bratensaft separat erhältlich)
– Sechs (6) verschiedene Sorten Aromagleitgel mit fremdschamfördernden, anzüglichen Namen – crème brû-labia, very-berry-pop-my-cherry, und so weiter und so fort.
Und das Glanzstück:
– Ein (1) violetter Alien-Tentakel-Dildo, komplett mit Saugnapf und knotigen, seltsam aussehenden Lamellen, bei deren bloßer Vorstellung, dass diese Dinger in mich hineingehen, ich die Oberschenkel zusammenpresse.
Zwei Wochen ist es her, dass ich dieses „Mein Erstes Sex-Dungeon“-Starterkit bestellt habe. In dieser Zeit habe ich zwischen morbider Panik bei dem Gedanken an das Ganze und hysterischem Lachen darüber gewechselt, wie Elle es vor sämtlichen weiblichen Mitgliedern ihrer gesamten Großfamilie auspackt.
Wenn das grausam klingt … tja. Sie hat’s verdient. Seit wir uns in der Grundschule kennengelernt haben und sie sich den Spitznamen Shylyssa für mich ausgedacht hat, hat Elle es sich zur Lebensaufgabe gemacht, mich so oft wie möglich erröten zu sehen.
Und sie kommt mit allem durch, weil ich sie wirklich liebe und sie mich wirklich liebt. Und als damals alles mit Ziva passiert ist, war Elle für mich da, als ich sie gebraucht habe.
Jetzt, wo ich sie brauche, ist sie allerdings nicht für mich da. Im Gegenteil: Ganz Los Angeles scheint den Atem anzuhalten, als würde die verdammte Stadt als Ganzes denken: Und wie will diese Dumme sich aus diesem Debakel wieder rauswinden?
Ausgezeichnete Frage.
Ich wünschte, ich hätte eine Antwort.
Denn die Silhouette, die nur zu einem einzigen Mann gehören kann, kommt unaufhaltsam näher.
Es dauert lange, bis er bei mir ankommt, weil das hier ein absurd großes Anwesen ist. Zum Teufel, ich gehöre nirgends darauf. Nur irgendeine bizarre Laune der Bauvorschriften und das chaotische Wuchern von Los Angeles haben es möglich gemacht, dass mein Bungalow mit zwei Schlafzimmern auf einer winzigen Seite an Mr. Uri Bugrovs weitläufiges, drei Acres großes Grundstück grenzt.
Mein Haus sitzt buchstäblich im Schatten seines Herrenhauses. Aber ich habe ein Fenster in meiner Leseecke, von dem aus ich freie Sicht auf seine Haustür habe. So erkenne ich seine Silhouette – weil ich sie Nacht für Nacht für Nacht gesehen habe.
Es ist immer dasselbe Ritual. Wie ein Uhrwerk, um 21:00 Uhr, kommt Uri Bugrov in einem seiner schnittigen und zweifellos lächerlich teuren Luxuswagen nach Hause. Eine zwangsläufig umwerfende Frau mit Jessica-Rabbit-Kurven, die man noch aus dem Weltall sehen könnte, steigt mit ihm aus. Sie gehen hinein. Sie tun (nehme ich an) die Art von nackten, waagerechten Dingen, die erwachsene Frauen mit Männern tun, die so atemberaubend schön und so reich sind wie Uri. Dann kommen sie wieder heraus, Uri setzt die Frau in ein Taxi, und sie verschwindet, um nie wieder gesehen zu werden.
Es ist nicht seltsam, dass viele schöne Frauen mit Uri schlafen wollen. Er ist reich, er ist berühmt – na ja, berüchtigt –, und er ist verdammt, verdammt angenehm anzusehen.
Seltsam ist, wie eifersüchtig ich manchmal auf diese Frauen bin.
Ich hatte schon Sex, wenn auch nur ein paar Mal. Diese ganze Show macht mich nervös, ehrlich gesagt. Es ist so intim. Menschen in deinem Raum. Sie atmen deinen Atem. Schwitzen deinen Schweiß.
Äh, nein danke.
Eine Therapeutin, bei der ich nach Ziva eine Zeit lang war, meinte, ich hätte vielleicht „Probleme mit Nähe“. Ich lachte und sagte: „Nein, ich habe keine Probleme mit Nähe – ich will nur niemals, dass jemand mir nahekommt, weil, wenn ich mich jemandem öffne, könnte derjenige einfach sterben und mich verlassen, und ich ertrage den Gedanken nicht, dass das passiert, also schotte ich mich von der Welt ab, bevor die Welt mir noch mehr Grausamkeit antun kann.“
Wenn ich so darüber nachdenke, war sie vielleicht an etwas dran.
Die Silhouette kommt näher. Zehn Sekunden oder weniger bis zum Einschlag.
Vor einer Stunde war das Leben noch eitel Sonnenschein. Ich hatte die Sendungsverfolgung von Eve’s Garden immer wieder aktualisiert. Noch drei Stopps. Noch zwei Stopps. Sie sind der nächste Stopp. Ich wartete darauf, dass die Klingel läuten würde, aber …
Nichts.
Kein Klopfen, kein Klingeln, und als ich nach unten ging, um den Hauseingang zu überprüfen, kein diskret verpacktes Päckchen mit violetten Alien-Dildos.
Doch als ich den Blick hob, sah ich mit Entsetzen, dass der Postbote die Auffahrt zu Uris Herrenhaus hinaufging – mein Paket unter den Arm geklemmt.
Ich hätte damals etwas tun sollen. Schreien, ihn umhauen, vielleicht sogar von meinem Dach aus mit Pfeil und Bogen aufs Korn nehmen. Stattdessen stand ich einfach dumm auf der Stelle und sah zu, wie der Postbote das Paket auf Uris vordere Stufe stellte. Dann ging er wieder zu seinem Wagen hinunter, stieg ein und fuhr davon.
Danach fing ich an, in Panik jede Telefonnummer der Post durchzuwählen, die irgendwie nützlich sein könnte, damit sie ein S.W.A.T.-Team vom Postdienst losschickten, um die Ware zu bergen. Aber ich wurde nur von Callcenter zu Callcenter weitergereicht. Niemand konnte helfen.
Am Ende war mein Paket immer noch auf dem Bugrov-Anwesen gestrandet, und ich hatte nur eine einzige Möglichkeit, es zurückzubekommen.
Ich musste es selbst tun.
Doch bei diesem Gedanken wollte ich mich am liebsten unter mein Bett verkriechen und nie wieder hervorkommen. Das Geschenk Elle zu geben, würde schon demütigend genug werden. Zu Uris massiver Haustür zu marschieren und den blauäugigen Titanen, der dort lebt, zu bitten, ähm, mir bitte meinen riesigen lila Alien-Dildo zurückzugeben?
Das ist ein Antrag auf Tod durch Scham.
Welche Wahl hatte ich denn? Ich versuchte mir einzureden, dass Uri oder seine Haushälterin das Ding einfach wegwerfen würden. Dass ich einfach Ersatz bestellen und dieses peinliche kleine Upsie-Daisy vergessen könnte. Aber nichts davon beruhigte mich.
Am schlimmsten war, dass ich es immer noch auf seiner Veranda liegen sehen konnte. Genau da, verdammt noch mal. Und da wurde meine allerschlechteste Idee lebendig. Wenn ich bis zur Dunkelheit wartete, könnte ich vielleicht über den Zaun schleichen und es zurückklauen, ohne dass es irgendwer merkte …
Irgendwie war das von all meinen Plänen der, der am Ende gewann.
Ich sagte mir, ich würde schnell sein. Rein und raus wie ein Ninja. Ich zog sogar komplett schwarze Sachen an, damit ich nicht auffiel.
„Alles wird gut“, flüsterte ich mir zu, kurz bevor ich in meinen Hinterhof trat. „Rein und raus wie ein Ninja. Rein und raus wie ein Ninja.“
Wenn Ziva mich damals hätte sehen können, hätte sie sich vor Lachen den Bauch gehalten. Ich warf einen Blick auf ihr Foto, das auf dem Kaminsims stand. Ein Bild von uns beiden bei der Highschool-Abschlussfeier. Die Walsh-Zwillinge, beide in identischen malvenfarbenen Kleidern mit identischen siebzehnjährigen Lächeln.
Meines hat sich über die Jahre nicht sonderlich verändert.
Aber ihres ist für immer so eingefroren.
Ich riss meinen Blick los. Ich musste mich konzentrieren. Jetzt war Zeit für den Tigerblick.
Zuerst lief alles gut. Ich sprang über den Zaun, als wäre ich bei American Ninja Warrior: Sexspielzeug-Exfiltration – die Spezialausgabe.
Schoss zu Uris Veranda.
Hob mein Paket auf und rannte damit zurück zum Zaun, warf es hinüber in meinen Hinterhof, setzte selbst zum Klettern an …
Dann: Katastrophe.
Genauer gesagt schlug der Nagel zu. Er schnitt mir den Oberschenkel auf und nagelte mich fest. Garfield kam heraus, um Hallo zu sagen.
Und jetzt ist der Mann der Stunde hier, um mir eine einzige, sehr berechtigte Frage zu stellen.
„Was zur Hölle machen Sie auf meinem Grundstück?“
