Kapitel 2

„Ding! Monatliche Mission ausgegeben. Bitte begeben Sie sich für Details zum vorgesehenen Ort.“

Im frühen Morgen von Los Angeles hatte das Sonnenlicht den grauen Dunst noch nicht ganz durchdrungen. Daniel stand vor dem Waschbecken im Bad und lauschte der kalten, mechanischen Stimme in seinem Kopf; sein Geist war selbst noch wie vernebelt.

Vor seinen Augen flackerte ein halbtransparentes Systemfenster auf, am unteren Rand eine Zeile winziger Schrift, blutrot markiert:

[Verbleibende Möglichkeiten, Missionen diesen Monat abzulehnen: 3/3]

Ablehnen?

Daniel stieß ein bitteres Lachen aus. Er war nur irgendein armer Tropf, der vor ein paar Tagen hierher verpflanzt worden war, und hatte nicht einmal das juristische Wissen im Kopf des ursprünglichen Besitzers sortiert – womit sollte er in einem amerikanischen Gerichtssaal für Gerechtigkeit kämpfen? Indem er Unsinn redete?

„Warnung: Bitte erreichen Sie den Zielort innerhalb von fünf Minuten. Zeitüberschreitung gilt als Abbruch; es wird automatisch eine Ablehnungsmöglichkeit abgezogen!“

Das Drängen des Systems wurde scharf. Daniel fluchte leise, wischte sich hastig übers Gesicht, schnappte sich vom Sofa das alte Sakko und stürmte zur Tür hinaus.

Während er die Treppe hinunterhetzte, rechnete er im Kopf dieses miese Dasein durch. Dieses Drecksloch Los Angeles – selbst das Atmen der Luft fühlte sich an, als würde es Geld verbrennen. Zwar hatte der Vorbesitzer dieses alte zweistöckige Apartmenthaus hinterlassen, doch im Moment wohnte nur ein Mieter im zweiten Stock, und diese kümmerliche Miete reichte bei Weitem nicht.

„Die anderen vier Zimmer müssen so schnell wie möglich zur Vermietung ausgeschrieben werden, sonst habe ich nächsten Monat nicht mal Geld für einen Burger in einem Schnellimbiss.“ Daniel zog den Kragen enger und trat in den kalten Morgenwind.

Dem Pfeil folgend, der nur für ihn auf seiner Netzhaut als Navigation erschien, überquerte Daniel zwei Blocks und blieb vor einem grauweißen Gebäude stehen.

Auf dem Schild stand: Los Angeles Police Department, 69th Precinct.

[Missionsaktualisierung: Betreten Sie das Revier und finden Sie den Verdächtigen „Perez“, um die Falldetails zu erfahren.]

[Hinweis: Dies ist ein Pro-bono-Fall.]

Keine Vergütung? Umsonst arbeiten?

Daniel rieb sich die pochenden Schläfen. Das System behandelte ihn im Grunde wie kostenlose Arbeitskraft. Aber wenn er schon hier war, konnte er nicht grundlos eine Ablehnungsmöglichkeit verpulvern.

Gerade als er überlegte, wie er als Anwalt hineinkommen sollte, schlurfte von vorn ein Mann herüber.

Der Kerl trug einen billigen, zerknitterten grauen Anzug, unter dem Arm eine abgewetzte Aktentasche; fettiges Haar, und sein ganzes Gesicht schrie „pleite“ und „elend“.

Daniels Augen leuchteten auf. Er kannte diesen Typ nur zu gut – ein typischer Rechtsbeistand aus der untersten Schublade, einer von denen, die Fälle aus den Elendsvierteln annahmen, nur um irgendwie über die Runden zu kommen.

Er verlangsamte sofort, folgte dem Mann im Anzug mit Abstand. Als der Kerl am Eingang mit dem Beamten freundlich plauderte, hielt Daniel den Kopf unten und schlüpfte scheinbar beiläufig hinter ihm in die Eingangshalle des Polizeireviers.

Am Empfangsschalter im zweiten Stock standen ein paar Leute in einer Schlange.

Daniel drängte sich nach vorn und schob seinen Anwaltsausweis durch den Spalt unter dem Glas.

„Ich muss den Verdächtigen Perez sehen, bitte.“

Hinter der Scheibe saß ein dicker Polizist mit Kaffee in der Hand, hob nicht einmal die Lider. Lässig griff er nach dem Ausweis, klappte ihn auf und wollte gerade auf der Tastatur des internen Netzwerks tippen.

„Warten Sie!“

Der Mann im Anzug sprang plötzlich hoch wie eine Katze, der man auf den Schwanz getreten hatte, und griff nach Daniels Ausweis: „Wo kommen Sie denn her? Ich bin der vom Gericht bestellte Pflichtverteidiger für Perez! Wer zum Teufel sind Sie?“

Daniels Blick wurde kalt. Sein Handgelenk zuckte blitzschnell, er riss den Ausweis zuerst zurück und starrte ihn frostig an.

Der Mann griff ins Leere und fühlte sich sofort gedemütigt. Sein Gesicht lief rot an, während er die Aktentasche umklammerte und brüllte: „Officer! Mit dem Kerl stimmt was nicht! Er lässt mich nicht mal seinen Ausweis sehen – der ist ganz sicher kein Anwalt! Wahrscheinlich ist er ein Komplize von Perez, hier, um Beweise zu manipulieren!“

Der dicke Polizist hörte auf zu tippen, die Stirn zog sich zu einem Knoten zusammen. Er knallte den Kaffeebecher schwer auf den Tisch und klopfte ungeduldig gegen die Scheibe: „Wenn ihr euch prügeln wollt, dann geht raus und prügelt euch draußen! Macht hier keinen Ärger!“

Daniel blieb stehen und sah zu, wie der Mann im Anzug seinen Wutanfall aufführte, und konnte ein inneres Hohnlächeln nicht unterdrücken.

Mit so einer Unfähigkeit, die Nerven zu behalten, glaubt der, er sei als Anwalt geeignet?

Er fixierte den Mann im Anzug; seine Stimme blieb flach, doch jedes Wort schnitt: „Erstens: Als Anwalt, um sich einen Fall zu sichern, verleumden Sie Ihren potenziellen Mandanten öffentlich als Verbrecher und behaupten sogar, er habe Komplizen. Ihre Berufsethik ist wirklich bemerkenswert.“

„Zweitens …“ Daniel hob die Hand und deutete auf den dicken Polizisten hinter der Scheibe. „Mein Ausweis – dieser Beamte war gerade dabei, ihn zu überprüfen. Und Sie machen hier so ein Theater und verlangen eine erneute Überprüfung. Stellen Sie das professionelle Urteil der Polizei infrage, ohrfeigen Sie diesen Beamten damit nicht ins Gesicht?“

Der Mann im Anzug war wie vom Donner gerührt; sein Mund ging auf und zu, und lange Zeit brachte er nichts als ein „du, du, du“ hervor, unfähig, auch nur einen halbwegs zusammenhängenden Widerspruch herauszupressen. Der dicke Polizist wirkte einen Moment lang weniger hart, und in seinem Blick zum Mann im Anzug lag ein Hauch von Ekel.

In diese kurze Stille hinein hallten vom Ende des Flurs schwere Schritte taktischer Stiefel.

„Was ist hier los? Was soll der Lärm hier im Flur der Wache, gleich am frühen Morgen?“

Eine raue, heisere Stimme, als würde grobes Schmirgelpapier mit voller Kraft über Blech kratzen, trug eine unbestreitbare Wildheit in sich.

Daniel drehte sich um, und seine Augen verdunkelten sich sofort.

Was für ein verfluchtes Pech.

Es war niemand anderes als Detective Tyler, der alte Bulle, dem er gestern Nachmittag auf der Straße begegnet war und mit dem er beinahe aneinandergeraten wäre.

Hinter Tyler kam ein junger Beamter namens Matthew. Auch er entdeckte Daniel jetzt. Seine Augen wurden groß, er zeigte auf Daniel und stotterte: „Du – du bist das!“

Tyler blieb stehen und starrte Daniel hart an; in seinen trüben Augen blitzte ein Anflug von finsterer Feindseligkeit auf. Die gestrige „Begegnung“ hatte auf beiden Seiten einen denkbar schlechten Eindruck hinterlassen.

Der Mann im Anzug hieß Mark. Als er den Vorgesetzten sah, stürzte er sofort zu ihm hinüber, als hätte er einen Retter gefunden, und goss noch Öl ins Feuer: „Herr! Dieser Punk ist aus dem Nichts aufgetaucht und hat sich als Anwalt ausgegeben, um den Verdächtigen zu sehen! Ich vermute, er ist hier, um Beweise zu vernichten – er hat mich eben nicht einmal seinen Ausweis prüfen lassen, ganz klar ein schlechtes Gewissen!“

„Ach ja?“ Tyler lachte kalt, stapfte auf Daniel zu und streckte seine schwielige Hand aus. „Zeig her.“

Daniel rührte sich nicht und sah ihn mit einem halben Lächeln an. „Officer, mein Ausweis wurde bereits von dem Beamten am Schalter geprüft. Wenn Sie ihn noch einmal prüfen wollen – heißt das, Sie behaupten, Ihr Untergebener sei für diesen Job nicht qualifiziert?“

Kraft gegen Kraft.

Der dicke Polizist hinter dem Glas verzog kurz das Gesicht und senkte sofort den Kopf, als würde er sich in Unterlagen vertiefen.

Doch Tyler ließ sich darauf überhaupt nicht ein. Er trat näher, sein massiger Körperbau drückte eine erdrückende Präsenz in den Raum, während er von oben auf Daniel herabsah.

„Hör auf, hier Wortspiele zu treiben! Hier gilt: Wenn ich sage prüfen, dann wird geprüft! Und nenn mich Sergeant Tyler!“

Daniel zuckte gleichgültig mit den Schultern, klemmte seine Anwaltszulassung zwischen zwei Finger und reichte sie hinüber.

Sergeant Tyler riss ihm den Ausweis grob aus der Hand und klappte ihn auf. Eigentlich hatte er das nur als Vorwand nutzen wollen, um diesen Schandfleck rauszukicken, doch als sein Blick über eine Zeile Kleingedrucktes glitt, zogen sich seine Pupillen abrupt zusammen.

[Alma Mater: Harvard Law School]

Harvard?

Tyler riss den Kopf hoch, und sein Gesicht schob sich zu einem grotesk übertriebenen, höhnischen Grinsen zusammen. Er musterte Daniel von oben bis unten, in dessen billigem, abgetragenem Anzug, als stünde vor ihm der größte Witz der Welt.

„Harvard-Absolvent? Und siehst aus wie ein Bettelarm?“ Tyler knallte den Ausweis mit einem lauten Klatschen auf den Tresen. „Selbst die großen Kanzleien in der Innenstadt würden dich zu schäbig finden, um Tee und Wasser zu servieren. Kommst auf die Wache, um dir Pro-bono-Arbeit zu krallen? Dein gefälschter Ausweis ist wirklich zum Teufel schlampig!“

„Er ist echt.“ Daniel stand kerzengerade, hielt Tylers aggressivem Blick stand, ohne auch nur einen Hauch nachzugeben. „Wenn der Sergeant das nicht glaubt, können Sie gern das System prüfen. Aber jetzt bringen Sie bitte meinen Mandanten Perez heraus.“

Tylers Gesicht verfinsterte sich augenblicklich bis ins Äußerste, das Fleisch an seinen Wangen zuckte leicht.

In diesem 69. Revier hatte es noch niemand gewagt, ihm so zu widersprechen! Schon gar nicht irgendein Rotzlöffel, mit dem er erst gestern aneinandergeraten war!

Ssscht!

Ohne Vorwarnung zog Tyler plötzlich seine Dienstwaffe, die schwarze Mündung direkt gegen Daniels Brust gepresst!

„Ich verdächtige dich der Urkundenfälschung und des Versuchs, die Justiz zu behindern!“ Tyler knirschte mit den Backenzähnen, in seinen Augen flackerte Mordlust, der Finger lag bereits am Abzug.

Der junge Officer Matthew neben ihm war von dieser plötzlichen Wendung wie erstarrt und stotterte: „H-Herr! Das ist nicht das richtige Vorgehen …“

„Waffe ziehen!“ brüllte Tyler, ohne den Kopf zu drehen.

Matthews ganzer Körper zuckte zusammen. Mit gekränktem Gesichtsausdruck fummelte er nach seiner Pistole, zog sie und richtete sie zitternd in Daniels Richtung.

Die Luft in der Eingangshalle fror augenblicklich ein. Menschen ringsum wichen mit alarmierten Rufen zurück, und alle Blicke richteten sich entsetzt auf diese Szene.

Die kalte Metallmündung drückte hart gegen seine Brust. Daniels Herzschlag sprang unkontrollierbar an.

Doch er hob nicht die Hände zur Aufgabe, und er wich nicht einmal einen halben Schritt zurück.

Er starrte Tyler direkt in die blutunterlaufenen, wahnsinnigen Augen, und die Mundwinkel zogen sich langsam zu einem kalten Bogen.

Er glaubte es nicht.

An diesem öffentlichen Ort, vor aller Augen in der Polizeistation der Stadt, würde dieser alte Irre es tatsächlich wagen zu schießen!

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