Kapitel 11

Die Luft im Aufzug war extrem beklemmend.

Sophies Frage hing in der Luft, beladen mit einer tödlichen Schwere, die mit voller Wucht in Benjamins Herz einschlug.

Er starrte in ihr blasses Gesicht und sah, wie ihre Lippen vor heftigem Schmerz bebten. Etwas in ihm explodierte und brannte jeden klaren Gedanken nieder.

„Sophie! Weißt du nicht, dass du ein Magenleiden hast?“ Er machte einen Satz nach vorn.

Er packte ihr Handgelenk mit solcher Wucht, dass Sophie vor Schmerz aufschrie.

„Ist dir dein eigener Körper so gleichgültig?“

In Sophies derzeitigem Zustand klang diese Frage wie der grausamste Scherz der Welt.

„Mein Magen?“ Stumm zog sie einen Mundwinkel nach oben. Doch schon im nächsten Moment brach Sophie in ein neurotisches, verzweifeltes Lachen aus, das von den Wänden des Aufzugs abprallte und in tausend Stücke zersplitterte.

„Benjamin, du machst dir jetzt Sorgen um meinen Magen?“

„Vor fünf Jahren, als ich im Gefängnis unter Qualen im Sterben lag, wo warst du da? Hör auf, den guten Menschen zu spielen!“

Ihre Stimme wurde plötzlich lauter, als fünf Jahre voller Hass und Verzweiflung endlich aus ihr herausbrachen.

„Ist das nicht genau das, was du wolltest? Liebst du es nicht, mich leiden zu sehen, mich so wertlos wie Dreck zu sehen? Bist du jetzt zufrieden?“

Mit der freien Hand deutete sie auf ihren Bauch, während sich in ihrem Gesicht ein selbstmörderischer Wahnsinn abzeichnete.

„Wenn das nicht gereicht hat, schön! Ich gehe zurück und trinke weiter! Bis mein Magen reißt, bis ich direkt vor ihren Augen sterbe! Gib mir einfach meine Kinder zurück!“

„Du hast den Verstand verloren!“

„Ja, das habe ich!“ Sophie begegnete seiner unbändigen Wut mit einem Blick, in dem nichts als Asche lag.

„Ich bin in dem Moment verrückt geworden, als du mich höchstpersönlich ins Gefängnis gebracht und mich und unsere ungeborenen Kinder im Stich gelassen hast, um Olivia zu retten!“

„Mir ist nichts mehr geblieben, Benjamin! Alles, was ich noch habe, sind diese beiden Jungen!“

Jedes geschriene Wort raubte ihr das bisschen Kraft, das ihr noch geblieben war. Nach diesem Ausbruch konnte ihr Körper sich nicht mehr aufrecht halten.

Die Welt um sie herum begann sich zu drehen, und sie sackte zusammen.

„Meine Kinder … gib mir … meine Kinder zurück …“, murmelte Sophie weiter, während ihre Schritte unsicher wurden und ihr Körper gefährlich schwankte.

Als er sah, wie sie jeden Moment zu zerbrechen drohte, erreichten der Ärger und die Frustration in Benjamins Brust ihren Höhepunkt.

Mit einem schnellen Schritt trat er vor, beugte sich hinab, kurz bevor sie zu Boden stürzen konnte, und hob sie in seine Arme.

Plötzlich in die Luft gehoben, keuchte Sophie auf; ihr Überlebensinstinkt ließ sie automatisch die Arme um seinen Hals schlingen.

Eine Sekunde später begriff sie, was geschah, und wehrte sich wild. „Benjamin, lass mich los! Du bist ja wahnsinnig!“

Sie trommelte gegen seine Brust und strampelte mit den Beinen, doch ihre Kraft war nichts im Vergleich zu seiner.

Benjamin ignorierte all ihre Gegenwehr. Mit langen, zielstrebigen Schritten trug er sie durch die leere Lobby und hielt direkt auf den schwarzen Bentley zu, der vor dem Eingang wartete.

Der Fahrer und die Sicherheitsleute senkten bei diesem Anblick die Köpfe; sie wagten nicht, auch nur ein Wort zu sagen, während sie stumm die hintere Wagentür öffneten.

Benjamin setzte sie auf die geräumige Rückbank und stieg dann selbst ein. Die Tür schlug hinter ihnen zu.

„Lass mich raus!“ Sophie ertrug es nicht, auch nur eine Sekunde länger mit ihm auf so engem Raum eingesperrt zu sein. Sie warf sich gegen die Tür und riss verzweifelt am Griff, doch die Zentralverriegelung war bereits eingerastet.

„Fahr“, befahl Benjamin dem Fahrer vorn, und seine Stimme war hart wie Stahl.

Der Wagen fuhr sanft an und reihte sich in das Lichtermeer der Stadt ein.

Die Nachwirkungen des Alkohols, der brennende Schmerz in ihrem Magen und ihre geistige Erschöpfung brachen in Wellen über Sophie herein und untergruben ihre letzten Reste von Vernunft.

Ihre Gegenwehr wurde allmählich schwächer. Sie schloss die Augen, um Kraft zu sparen, aber ihr Körper blieb angespannt und entspannte sich nicht für einen Moment.

Im Inneren des Wagens war die Stille furchteinflößend.

Benjamin drehte den Kopf, seine harte Kinnlinie zeichnete sich im schwachen Licht ab.

Er sah zu der Frau hinüber, die neben ihm in der Ecke zusammengekauert saß. Ihr sorgfältig aufgetragenes Make-up war von Tränen weggewaschen worden, was ihr blasses Gesicht noch zerbrechlicher wirken ließ.

Doch der Hass, den er vorhin in ihren Augen hatte brennen sehen, reichte aus, um die Gereiztheit in seinem Inneren weiter ansteigen zu lassen, bis sie kurz vor der Explosion stand.

In diesen fünf Jahren überschnitt sich dieses Gesicht mit dem Mädchen aus seiner Erinnerung – jenem, das ihm früher mit leuchtenden, funkelnden Augen gefolgt war –, nur um dann von der gegenwärtigen Blässe und dem Hass zerrissen zu werden.

Benjamins Adamsapfel bewegte sich, und seine Brust schnürte sich auf unerklärliche Weise zusammen.

Als der Wagen eine Kreuzung passierte, erblickte er draußen vor dem Fenster das Schild einer „24-Stunden-Apotheke“ und sprach fast reflexartig. „Halten Sie den Wagen an.“

Der Fahrer fuhr sofort rechts ran.

„Kaufen Sie ein Magenmedikament“, befahl er knapp.

„Ja, Mr. Brown.“

Der Fahrer kehrte schnell mit dem Medikament zurück, das Benjamin entgegennahm und auf den leeren Sitz zwischen sich und Sophie warf.

Der Wagen setzte sich wieder in Bewegung.

Vielleicht war es das Geräusch der Plastiktüte, das sie störte, oder vielleicht hatte sich der krampfartige Schmerz in ihrem Magen noch verschlimmert.

Sophies Körper zitterte leicht, und sie öffnete langsam die Augen.

Ihr Blick fiel auf die Verpackung mit dem Apothekenlogo.

Sie erstarrte für einen Moment.

Dann durchbohrte ein Gefühl der Demütigung, das schärfer war als die Magenschmerzen, ihr Herz.

Erst zuschlagen und dann ein Bonbon anbieten?

Wofür hielt er sie? Für ein Haustier, das man nach Belieben herbeirufen und wegschicken konnte?

Sophie sah weg und griff trotzig wieder nach dem Türgriff.

Gerade als ihre Hand ihn berühren wollte, packte ein eiserner Griff von hinten ihr Handgelenk.

In der nächsten Sekunde zog sie eine enorme Kraft zurück.

Sophie fiel schwer auf den Ledersitz. Bevor sie reagieren konnte, ragte eine große Gestalt über ihr auf.

Benjamin kniete mit einem Bein auf dem Sitz und sperrte sie vollständig zwischen sich und der Tür ein.

Er stützte eine Hand gegen das Fenster neben ihrem Gesicht und packte mit der anderen ihr Kinn, um sie zu zwingen, aufzusehen.

Die Distanz zwischen ihnen war so gering, dass sie den Atem des anderen spüren konnten.

Seine dominante Präsenz, die den schwachen Geruch von Alkohol trug, hüllte sie völlig ein.

„Wo sind meine Kinder?“ Sophie nutzte all ihre verbleibende Kraft, um diese Worte durch zusammengebissene Zähne zu pressen. „Wo sind Thomas und Timothy?“

Benjamin beugte sich hinab, sein heißer Atem streifte ihr Ohr, seine Stimme war leise und gefährlich. „Auf dem Anwesen. Mein Großvater passt auf sie auf. Sie sind in Sicherheit.“

Als sie diese Antwort hörte, entspannten sich Sophies bis zum Zerreißen angespannte Nerven endlich.

Solange es ihnen gut ging.

„Willst du sie sehen?“ Benjamins Daumen streichelte über ihre zarte Kinnlinie.

Sophies Gegenwehr hörte auf.

„Dann benimm dich.“

„Benimm dich, und ich gebe sie dir zurück.“

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