Kapitel 8
ALEXANDER
Ich fluchte leise vor mich hin und stürmte aus der Villa, ließ die blendenden Lichter hinter mir und tauchte in die kühle Dunkelheit ein. Der Wind traf mich wie ein Schlag ins Gesicht, schnitt durch meinen Mantel und kroch mir den Rücken hinauf, aber ich hielt nicht an. Ich beschleunigte meine Schritte, in der Hoffnung, dem Sturm in meinem Kopf zu entkommen. Es war zwecklos.
Egal, wie schnell ich ging oder wie sehr ich versuchte, mich zu konzentrieren, ich bekam dieses verdammte Mädchen einfach nicht aus dem Kopf.
Alina Santini.
Ich war mit einem einzigen Ziel in dieses Anwesen gestürmt: Arthur Santini dafür büßen zu lassen, dass er sich jemals mit mir angelegt hatte. Meine Wut und Entschlossenheit hatten jeden meiner Schritte angetrieben und mich vorwärtsgetrieben wie eine Naturgewalt.
Doch dann fiel mein Blick auf sie, und die Welt um mich herum hörte auf zu existieren.
Alina Santini stand da, eine atemberaubende Mischung aus Trotz und Schönheit, ihre Anwesenheit war unmöglich zu ignorieren.
Ich hatte sie schon einmal gesehen – nur einmal, ganz kurz –, aber jetzt fühlte es sich an, als würde ich sie zum ersten Mal wirklich sehen.
Die Erinnerung an unsere letzte Begegnung flackerte in meinem Kopf auf, und ich entsann mich, wie mein Puls ins Stocken geraten war, als sich unsere Blicke trafen. Damals hatte ich es als Nichts abgetan – ein flüchtiger Moment der Faszination, leicht zu vergessen. Aber jetzt, als ich sie betrachtete, wusste ich es besser. Es war keine Neugier gewesen. Es war etwas Tieferes, etwas, das auf eine Weise an mir zerrte, die ich nicht erklären konnte.
Ich spürte, wie das Gewicht meiner Mission, Arthur Santini zur Rede zu stellen, unter meinen Füßen zerbröckelte.
Meine Mission war klar gewesen: Arthur Santini konfrontieren und die volle Wucht meines Zorns über ihn hereinbrechen lassen. Aber als meine Augen auf seine Tochter fielen, änderte sich alles. Das Feuer der Rache, das in meiner Brust gebrannt hatte, erlosch und wurde durch etwas viel Ursprünglicheres und Verzehrenderes ersetzt – ein Bedürfnis, das ich nicht ganz erklären konnte.
Die Rache trat in den Hintergrund, überschattet von dem Verlangen, in Alinas Nähe zu sein. Sie für mich allein zu haben, fern von neugierigen Blicken und lästiger Einmischung. Ich wollte die Distanz überbrücken, den zarten Duft ihrer Haut einatmen und die elektrische Ladung ihrer Anwesenheit spüren.
Diese trutzigen Augen, die Art, wie ihre Stimme zitterte, aber nie brach, das Feuer in ihr, das selbst dann noch brannte, als sie in die Enge getrieben war.
Was war es nur an ihr? Sie war nicht das erste hübsche Mädchen, das mir über den Weg gelaufen war, und sie würde verdammt noch mal auch nicht das letzte sein. Aber da war etwas … etwas, das ich nicht benennen konnte.
Und das machte sie gefährlich.
In dem Moment, in dem dir jemand unter die Haut geht, wird er zu einer Belastung. Einer Ablenkung. Und in meiner Welt konnten Ablenkungen tödlich sein.
Aber dieses verdammte Kleid.
Ein goldener Stofffetzen schmiegte sich an ihre Kurven, als wäre er über ihre Haut gegossen worden. Jeder Lichtschimmer zeichnete die zarten Linien ihrer Figur nach – den anmutigen Bogen ihres Rückens, die sanfte Rundung ihrer Taille, die Wölbung ihrer Hüften. Der Ausschnitt war gerade tief genug, um zu reizen, enthüllte die elegante Form ihrer Schlüsselbeine und den sanften Ansatz ihrer Brüste und überließ nichts und gleichzeitig alles der Fantasie.
Ihr Haar fiel in weichen, goldenen Wellen, streifte knapp ihre Schultern, floss ihren Rücken hinab und schimmerte mit scharlachroten Untertönen, wenn das Licht es küsste.
Aber nichts davon hätte eine Rolle spielen dürfen.
Lust war Lust – ein Bedürfnis, das von jeder der Frauen befriedigt werden konnte, die in unsere Welt strömten wie perfekt manikürte Motten ins Licht.
Nein, was zählte, waren ihre Augen.
Große, flüssige Seen aus beruhigendem Blau, so endlos und still wie der Ozean.
So unschuldig.
Und das – das war gefährlich.
Dennoch fühlte ich mich auf eine Weise zu ihr hingezogen, die ich nicht ganz verstehen konnte.
Allein die Erinnerung an sie ließ meinen Körper auf eine Weise reagieren, die ich nicht kontrollieren konnte. Sie war so … rein.
Die Art, wie sie standhaft blieb, obwohl ich das Zittern ihrer Lippen sehen und das Zögern in ihrer Stimme spüren konnte, faszinierte mich.
In ihr steckte Trotz, ein Funke Mut, von dem sie nicht zu wissen schien, dass sie ihn besaß. Das machte sie nur noch verführerischer – so gut, so unberührt in einer Welt voller Korruption.
Sie war wie ein frischer Wind, ein gutherziges und unschuldiges Mädchen, das eine Aura der Reinheit auszustrahlen schien. Es war eine Ewigkeit her, seit ich jemandem wie ihr begegnet war, und es weckte ein urtümliches Verlangen in mir.
Ich konnte nicht anders, als mir vorzustellen, wie das goldene Kleid, das sie trug, sich um ihre Knöchel sammelte, ihr Höschen daneben achtlos abgelegt, und ihre milchweißen Oberschenkel und die zartrosa Lippen ihrer Pussy entblößte.
Das Bild war aufreizend, und ich spürte den überwältigenden Drang, sie gegen die Wand zu drücken, sie festzuhalten und meinen Schwanz tief in sie zu rammen. Ich wollte in ihrer Unschuld versinken, ihre Weichheit mich umschließen spüren, während ich das Gute aus ihr herausfickte.
Ihre Augen wären fest zugekniffen, ihr Gesicht zu einer Mischung aus Lust und Schmerz verzogen, während sie immer wieder meinen Namen flüsterte.
Verdammt! Verdammt! Verdammt!
Mit entschlossenen Schritten überquerte ich die Straße, mein Kiefer angespannt, und glitt in den Wagen, in dem Nico wartete.
Er warf mir einen Blick zu, eine Augenbraue hochgezogen, sein Tonfall von Spott durchzogen.
„Das hat länger als zehn Minuten gedauert. Was ist passiert? Bist du zum Nachtisch geblieben?“
Er grinste, wartete nicht auf eine Antwort, bevor er hinzufügte:
„Oder hat dir vielleicht irgendein hübsches Ding den Kopf verdreht und du musstest einen kurzen Abstecher ins Bad machen?“
Ich warf ihm einen finsteren Blick zu, meine Stimme eiskalt.
„Fahr.“
Nico kicherte und legte den Gang ein.
„Ganz schön empfindlich, was? Aber was ist das? Diesmal kein Blut an deinen Händen …“
„Ich habe stattdessen eine Nachricht überbracht“, erwiderte ich, mein Tonfall kalt und undurchschaubar.
Nicos Hände hielten auf dem Lenkrad inne, und ein Grinsen umspielte seine Lippen, als er sich langsam zu mir umdrehte, seine Augen spöttisch funkelnd.
„Alexander Dimitri überbringt persönlich eine Nachricht? Was kommt als Nächstes? Blumen und ein handgeschriebener Zettel? Oder hat deine Waffe endlich ihre Schärfe verloren? Normalerweise schießt du erst und stellst später Fragen. Seit wann bist du der Laufbursche?“
Er stieß ein leises Lachen aus und lehnte sich in seinem Sitz zurück.
„Sag mir, Boss – wurde die Nachricht überbracht, oder soll ich später einen Anruf zum Aufräumen erwarten?“
Mein Kiefer spannte sich an, und ich unterdrückte den Drang, ihn anzuschnauzen.
Nico bemerkte alles – jedes Zögern, jeden Riss in der Fassade. Das machte ihn zu einer so tödlichen Waffe, aber im Moment ging mir seine scharfe Beobachtungsgabe auf die Nerven.
Es war nicht nur irritierend; es zwang mich, mich der Frage zu stellen, die ich mir selbst nicht stellen wollte:
Warum hatte ich mich entschieden, ihr die Nachricht zu überbringen, anstatt meine Wut an Arthur auszulassen?
Das war nicht meine Art.
Ich musste meine Handlungen vor Nico nicht rechtfertigen, aber meine Gedanken ließen nicht locker.
Vielleicht lag es an ihr, oder vielleicht an der Anwesenheit von Robert Solas. Ich hatte kein Interesse daran, diesem Bastard heute Nacht über den Weg zu laufen – noch nicht. Seine Zeit würde kommen, und wenn es so weit war, würde ich dafür sorgen, dass er den vollen Preis bezahlte.
Vorerst konzentrierte ich mich auf die Straße vor mir und nicht auf Nicos bohrenden Blick.
„Fahr“, sagte ich mit endgültigem Ton, der jede weitere Befragung unterband.
Widerstrebend startete Nico den Motor, dessen leises Summen den Wagen erfüllte, während ich aus dem Fenster auf die Villa gegenüber starrte.
Alina Santini. Sogar ihr Name klang zu sanft.
Was zum Teufel war los mit mir?
Ich schüttelte den Gedanken ab und richtete meinen Blick nach vorn, verbannte die Verwirrung tief in die Winkel meines Verstandes. Es gab keinen Platz für Ablenkungen. Keinen Platz für Verletzlichkeit. Und es gab ganz sicher keinen Platz für etwas so Naives wie „süß“ oder „bezaubernd“ in meiner Welt.
Sie war nur ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck. Das war alles. Ein Mittel zum Zweck
