Kapitel 4 Hoffentlich kein Bedauern

Aidan reichte Millie eine Flasche, seine Finger streiften ihre. So eine Berührung, die Leute in Filmen und schlechten Taschenbüchern romantisieren. Millie spürte sie. Dieses unwillkürliche Stocken ihres Atems, als hätte man sie mitten in einer Fantasie wachgerissen.

Denn wem passiert so etwas? Nicht ihr. Nicht einer Putzfrau. Nicht dem Mädchen, das Rabattmarken ausschneidet und ein Auto fährt, bei dem nur ein Fenster funktioniert.

Aidan trat näher und ließ den Abstand zwischen ihnen schrumpfen. Draußen erstickte die Skyline, als die Vorhänge summend zuglitten.

Und dann gab es nur noch gedämpftes Licht und diesen scharfen Hauch von Raum zwischen zwei Menschen, die es eigentlich besser wissen sollten.

„Siehst du?“, murmelte er. Sein Atem strich über ihre Wange. „Mit nur ein bisschen Licht ist alles besser.“

Millie hätte die Augen verdrehen sollen. Sie hätte aufstehen, ihre Tasche greifen und mit ihren fünfhundert Dollar Würde unversehrt hinausgehen sollen. Aber stattdessen blieb sie stehen.

„Sie sind es gewohnt, Ihren Willen zu bekommen, nicht wahr, Mr. Moretti?“, sagte sie.

Aidans Lippen zogen sich zu einem schiefen Grinsen. „Aidan, bitte“, korrigierte er sie leise. „Und … vielleicht. Aber ich habe nichts dagegen, es mir zu verdienen, wenn es sich lohnt.“

Er beugte sich vor. Ohne Frage und ohne Zögern, nur ungefilterte Hitze zwischen ihnen.

„Bitte“, flüsterte er. „Zieh dich nicht zurück.“

Und sie tat es nicht.

Millie lehnte sich vor, nicht weil es klug gewesen wäre – das hatte sie längst aufgegeben –, sondern weil Gefahr immer diesen dummen, magnetischen Sog hatte. Und dann prallten Aidans Lippen auf ihre, und es war alles andere als sanft. Sein Mund nahm ihren mit einer demonstrativen Intensität in Besitz, die sich wie seine Handschrift anfühlte – darauf ausgelegt, sie zu verschlingen, zu verweilen, sie zu ruinieren. Dann strich seine Zunge über ihre, lockte ihr ein leises Stöhnen tief aus der Kehle, als ihr Körper nachgab.

Bald waren seine Hände überall. Eine glitt ihren Rücken hinauf, die Finger spreizten sich besitzergreifend über ihrer Wirbelsäule, zogen sie eng an ihn. Die andere fand ihre Hüfte, packte fest zu, bevor sie tiefer rutschte, seine Handfläche sich über die Rundung ihres Hinterns legte, zudrückte – gerade fest genug, dass sie in seinen Mund hinein nach Luft schnappte.

Millies Hände klammerten sich an ihn, zittrig und suchend, ihre Finger gruben sich in den glatten Stoff seines Hemds, glitten dann zu seinen Schultern hinauf, verzweifelt darauf bedacht, sich gegen den schwindelerregenden Sog seines Kusses zu verankern. Seine Lippen bewegten sich in einem lasziven Rhythmus, wurden jetzt weicher, um den Mundwinkel zu necken, vertieften sich dann mit hungriger Schärfe. Seine Hand an ihrem Rücken glitt höher, verhedderte sich in ihrem Haar, kippte ihren Kopf, um den Kuss zu vertiefen, seine Zunge erforschte sie, raubte ihr den Atem.

Sie drängte sich näher an ihn, ihre Brust streifte seine, ihr Körper antwortete trotz der Alarmglocken in ihrem Kopf. Seine Hand an ihrer Hüfte schob sich unter ihr Shirt, seine Finger – warm und sicher – strichen über die nackte Haut ihrer Taille, zeichneten langsame, reizende Kreise, die Schauer durch sie jagten. Er stöhnte leise an ihren Lippen, ein Riss in seiner polierten Fassade, der ihr Herz hämmern ließ. Es war, als wäre er in ihr genauso verloren wie sie in ihm, als würde ihre gegenseitige Gier sich in der Enge dieses Augenblicks aneinander nähren.

Nach einer Minute zog er sich zurück – sechzig Sekunden, die sich eher wie eine Herausforderung als wie ein Moment angefühlt hatten – und trug das Grinsen eines Mannes, der sich längst für eine Erinnerung hielt, die man behalten würde. Seine Augen, dunkelblau und glühend, glitten über ihr gerötetes Gesicht, nahmen ihre geöffneten Lippen und ihren heftig gehenden Brustkorb in sich auf.

Millie war heiß im Gesicht, benommen und ein wenig betrunken von der Absurdität von allem, ihr Körper summte noch von den Nachbeben seiner Berührung. „Du bist … Wow, das war … sehr gut“, murmelte sie, atemlos, die Worte rutschten heraus, bevor sie sie aufhalten konnte.

Und da war es, das Kompliment. Die Bestätigung. Aidan sog es in sich auf, sein Grinsen wurde breiter, ein Triumphblitz in den Augen.

„Ich will gefallen“, sagte Aidan. „Aber das? Das war nur das Aufwärmen. Oben kann ich erst richtig angeben.“

Die Einladung war offensichtlich und unverhohlen. Millie zögerte. Das war der Moment, in dem die vernünftige Version von ihr sie anflehen würde zu gehen. Stattdessen sah sie ihn an. Sah den Hunger in seinen Augen. Und traf die Entscheidung, die sie am Morgen bereuen würde.

„Ich werde das morgen bereuen.“

Aidans Grinsen vertiefte sich, arrogant und so selbstsicher, dass es fast beeindruckend war. „Nein, Schatz. Du wirst bereuen, es nicht früher getan zu haben.“

Dann hob er sie in seine Arme. Wie eine Braut, und er trug sie die Treppe hinauf.

In seinem Schlafzimmer – großes Bett, Designerbettwäsche – legte er sie behutsam ab. Er schwebte über ihr, die Augen dunkel, der Mund weich. Die Küsse begannen diesmal langsam, ehrfürchtig, als wollte er sie davon überzeugen, dass das mehr war, als es war. Lippen an ihrem Hals entlang, ein Innehalten an der Stelle, wo ihr Puls schlug.

Millies Hände glitten über seine Brust. Das Hemd tat wenig, um das Offensichtliche zu verbergen – ja, er war durchtrainiert. Ihre Finger erkundeten ihn, als müsste sie sich vergewissern, dass er echt war und nicht etwas, das sie sich in einer Nacht ausgedacht hatte, in der sie vergessen hatte zu Abend zu essen.

Die Trainings-Selfies von diesem Kerl würden das Internet sprengen, dachte sie und grinste in sich hinein.

Und vielleicht würden sie das. Aber selbst perfekte Bauchmuskeln konnten nicht verbergen, dass Männer wie Aidan Moretti zum Verschlingen gemacht waren, nicht zum Behalten.

Aidan stöhnte an ihrem Hals. Sein Körper bebte, ganz leicht. Millies Berührung hatte Macht, und er wusste es. Er mochte das. Er mochte auch, dass sie es wusste.

Dann streifte er sein Hemd ab. Legte seine Tattoos frei. Der Wolf war wild, kühn, in scharfen Linien gestochen, gemacht, um Stärke und Gefahr auszustrahlen. Darunter drei ineinandergreifende Ringe, eine Krone, das Wort South und ein Paar gekreuzter Dolche. Subtilität war eindeutig nicht seine Stärke.

Millie griff fast ohne nachzudenken nach der Tinte, fuhr die Konturen des Wolfs nach. Und er ließ seine Hände an ihrem Körper hinabgleiten, die Finger fanden ihre Taille, zupften an ihrem Shirt. Ein schneller Ruck, und es war aus.

„Du hast nicht—“, begann sie, vielleicht um Einspruch zu erheben, vielleicht um zu protestieren, wie schnell sich das alles drehte, aber ihre Worte verschwanden in dem Moment, als sein Mund ihren wieder in Besitz nahm, fordernd, verschlingend.

Jetzt trug sie nur noch ihre Arbeitshose und einen BH. Beigefarbene Spitze. Das tragische Opfer eines ausgelassenen Wäschetags. Aidans Finger fanden den Reißverschluss und zogen ihn herunter, und dann gesellte sich die Hose zu ihrem Shirt auf den Boden.

Ihr Slip – Gott segne ihn – war eine Entscheidung gewesen, getroffen im Dunst der Morgenmüdigkeit und schlechten Lichts. Der BH war ein bisschen unerquicklich, aber der String war Claras Schuld.

„Kauf ihn. Eines Tages wirst du mir danken“, hatte Clara mit einem nervtötenden Maß an Selbstgefälligkeit gesagt. Und klar, vielleicht war das dieser Tag. Irgendwie.

Aidans Blick glitt über sie. Nicht diese höfliche Art zu mustern. Nein, das war das volle, unentschuldigte Festmahl. Er trank sie in sich auf – den Bauch, geschärft von Jahren, in denen sie Eimer, Mopps und Staubwedel geschleppt hatte; die Rundungen, geformt von Arbeit, nicht von Pilates. Sie hatte sich nie für besonders verführerisch gehalten, aber offenbar war er anderer Meinung.

„Ich weiß, ich bin nicht wie die Mädchen, die du sonst—“, begann sie, ein Zittern in der Stimme, die Röte stieg auf, als wollte sie sie vor sich selbst schützen.

Aber er ließ sie nicht zu Ende sprechen. Sein Kuss brachte sie zum Schweigen. Seine Hände wanderten, strichen über ihre Brust, der Daumen zog an der Spitze entlang. Ein Keuchen brach ihr über die Lippen.

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