Kapitel 3 Ich muss die Pflichten einer Frau nicht erfüllen
Jenna starrte auf die glitzernde Halskette in der Schmuckschatulle, und ihr Herz krampfte sich vor stechendem, schneidendem Schmerz zusammen.
Das war genau die Kette, die sie seit Monaten bewundert hatte.
Sie erinnerte sich, wie sie während einer Werbeaktion im Laden ausgestellt gewesen war: Kette kaufen, Armband gratis dazu.
Also war das Armband, das Edward ihr heute Morgen gegeben hatte – das, das sie mit so jämmerlicher Dankbarkeit angenommen hatte –, bloß ein Gratisgeschenk zu der Kette, die er für Jennifer gekauft hatte?
Jenna kam sich vor wie der größte Trottel der Welt.
Sie schob die Schatulle von sich weg, ihre Stimme kalt und tonlos. „Danke, aber ich nehme keine Abgetragenen.“
„Das ist nichts Abgetragenes“, protestierte Jennifer, ihr Tonfall leicht. „Sieh doch, die Etiketten sind noch dran –“
Sie brach abrupt ab, aber der Schaden war bereits angerichtet.
Das bedeutete, Edward hatte sie für sie mitgebracht.
Plötzlich war Jenna einfach nur noch erschöpft – eine Erschöpfung bis auf die Knochen, eine, die die Seele zermalmte.
Sie wollte nicht mehr streiten. Sie wollte keinen von ihnen mehr ansehen. Sie riss die Decke über den Kopf, drehte ihnen den Rücken zu und sagte kein Wort.
Edwards Stimme wurde eisig. „Jenna, was zum Teufel ist dein Problem? Muss sich die ganze Welt um dich drehen, damit du zufrieden bist?“
Jenna verkroch sich unter der Decke, Tränen liefen ihr stumm über das Gesicht. „Niemand hat dich gezwungen, herzukommen. Du kannst gehen.“
„Du –“
Edward machte einen Schritt nach vorn, doch Jennifer packte seinen Ärmel, ihre Stimme weich und beschwichtigend. „Edward, sie ist gerade erst aufgewacht. Sie ist noch schwach. Lass ihr ein bisschen Raum, damit sie sich ausruhen kann.“
Edward schwieg. Nach einer langen Pause ließ er zu, dass Jennifer ihn zur Tür zog.
Als sie gingen, hörte Jenna Lucas vor sich hin murmeln, die Stimme triefend vor Verachtung.
„Was für ein Stück Arbeit. Sie hat sich mit Manipulation in diese Ehe hineingedrängt, indem sie das schlechte Gewissen seiner Mutter ausgenutzt hat, und jetzt tut sie, als wäre sie von königlichem Geblüt? Für wen zum Teufel hält sie sich?“
„Lucas, das reicht“, murmelte Jennifer.
Jenna lag unter der Decke, die Tränen tränkten das Kissen.
Also dachten sie so über sie. Eine berechnende Goldgräberin, die sich in Edwards Leben geschummelt hatte.
Einen Moment lang bereute Jenna alles. Sie bereute, Edward je begegnet zu sein. Sie bereute, dieser Ehe zugestimmt zu haben.
Was hatte sie getan, um fünf Jahre stummer Grausamkeit zu verdienen?
Sie hatte nur einen Fehler gemacht.
Sie hatte den falschen Mann geliebt.
Ihre Hand glitt zu ihrem Unterbauch, und die Tränen kamen heftiger, schneller.
„Es tut mir leid, Baby“, flüsterte sie. „Ich glaube, Mama kann dir doch keine ganze Familie geben.“
Jenna ließ sich an diesem Nachmittag aus dem Krankenhaus entlassen.
Niemand kam, um sie abzuholen. Sie erledigte den ganzen Entlassungskram allein.
Ihre Frauenärztin, Dr. Becky Davis – und zugleich ihre beste Freundin – bemerkte ihre fahle Gesichtsfarbe und den hohlen Blick. „Ich dachte, du willst ein Baby. Warum siehst du aus, als wäre jemand gestorben?“
Jennas Stimme war leise. „Becky … meinst du, ich könnte wieder modeln?“
Becky blinzelte. Dann lachte sie. „Meinst du das ernst? Nach einer Schwangerschaft verändert sich dein Körper. Dehnungsstreifen, Gewichtszunahme – du würdest nie wieder dahin zurückkommen, wo du auf dem Höhepunkt warst.“
Jenna senkte den Blick. „Ich habe eigentlich keine anderen Fähigkeiten.“
Becky runzelte die Stirn. „Warum? Bist du knapp bei Kasse? Das ergibt keinen Sinn. Edward hat doch Kohle ohne Ende.“
„Ich will einfach … mich in dieser Ehe nicht mehr eingesperrt fühlen.“
Becky sagte sie nicht die Wahrheit — dass sie vorhatte, sich von Edward scheiden zu lassen und dieses Baby allein großzuziehen.
Becky musterte sie lange, dann seufzte sie. „Du warst damals unglaublich, weißt du. Wenn du nicht geheiratet hättest, würdest du jetzt wahrscheinlich in Paris und Mailand über die Laufstege laufen.“
Es war keine Übertreibung. Jenna war ein aufgehender Stern gewesen — preisgekrönt und international anerkannt. Sie hatte kurz davor gestanden, in die oberste Liga der Supermodels aufzusteigen.
Und dann hatte sie all das hinter sich gelassen. Für Edward.
Und jetzt sieh nur, wohin sie das gebracht hatte.
Becky drückte ihr ein paar Schachteln pränataler Vitamine in die Hand. „Hör auf, alles zu zerdenken. Fahr nach Hause, nimm deine Tabletten und pass auf dich auf. Diese Schwangerschaft war nicht leicht zu erreichen.“
Jenna starrte auf die Pillenfläschchen in ihren Händen, während sich ihre Brust zuschnürte.
Nach Hause?
Wo war überhaupt noch Zuhause?
Dieses Haus hatte sich schon vor langer Zeit nicht mehr wie ein Zuhause angefühlt.
Jenna fuhr nicht zurück zum Anwesen.
Stattdessen steuerte sie die Villa am Stadtrand an, die ihre Mutter ihr vor Jahren gekauft hatte — ein Ort, den sie nur selten aufsuchte.
In ihrem Kopf herrschte pures Chaos. Edward konnte sie jetzt nicht ertragen.
Spät in der Nacht vibrierte ihr Handy. Edwards Name leuchtete auf dem Display auf.
Verschlafen nahm sie ab. „Was?“
„Lucas gibt morgen Abend eine Willkommensparty für Jenny. Du kommst.“ Sein Ton war kurz angebunden und gereizt.
Jenna spürte, wie ihr Ärger augenblicklich aufflammte. „Warum sollte ich auf ihre Party gehen? Ich kenne sie kaum.“
„Jenna.“ Edwards Stimme sank in dieses tiefe, gefährliche Register. „Ich lass dir den Morgen durchgehen. Aber Jenny hat dich persönlich eingeladen. Ich erwarte, dass du Manieren zeigst.“
„Manieren?“ Jenna setzte sich auf, ihre Stimme bebte vor Wut. „Du willst, dass ich zu einer Party für die Frau gehe, in die du verliebt bist? Damit ich zusehen kann, wie du vor allen um sie herumtänzelst? Das sind Manieren?“
Edward schwieg einen Moment. Dann wurde seine Stimme lauter. „Wovon zum Teufel redest du?“
„Stell dich nicht dumm, Edward. Du weißt genau, was ich meine. Du hast dich kein einziges Mal wie mein Mann verhalten. Warum sollte ich mich dann wie deine Frau verhalten? Ich gehe nicht auf diese Party. Ende der Geschichte.“
Sie legte auf.
Edward rief zurück. Sie lehnte ab. Er rief wieder an. Sie schaltete ihr Handy ganz aus.
Sie war fertig.
Wenn Edward sie nicht liebte, dann hatte diese Ehe keinen Grund zu existieren.
Sie würde sich von ihm scheiden lassen. Sie würde dieses Baby allein großziehen. Sie würde sich ein Leben aufbauen, das sich nicht darum drehte, auf Brotkrumen an Zuneigung von einem Mann zu warten, der sie niemals zurücklieben würde.
Am nächsten Morgen riss Jenna das schrille, harte Läuten der Türklingel aus dem Schlaf — immer wieder, immer wieder, immer wieder.
Sie runzelte die Stirn. Diese Villa lag mitten im Nirgendwo. Hier kam nie jemand vorbei.
Schwerfällig quälte sie sich aus dem Bett, schlurfte zur Tür und riss sie auf.
Edward stand auf der Schwelle, sein Gesicht wie ein Gewitter.
Und neben ihm, strahlend lächelnd, stand Jennifer.
Jennifer packte sofort Jennas Hand, ihre Stimme süß und sirupartig. „Jenna! Warum hast du meine Einladung abgelehnt? Bist du immer noch böse auf mich?“
