Dieses Mal kämpft er mit allem um mich

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Sherry · Abgeschlossen · 222.3k Wörter

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Einführung

Maya erstarrte, als der Mann den Raum betrat, der sofort alle Blicke auf sich zog. Ihr Ex-Freund, der vor fünf Jahren verschwunden war, gehörte nun zu den reichsten Tycoons Bostons. Damals hatte er seine wahre Identität mit keinem Wort erwähnt – und war dann spurlos verschwunden. Als sie nun seinen kalten Blick sah, konnte sie nur vermuten, dass er die Wahrheit verschwiegen hatte, um sie zu testen, sie für oberflächlich befunden und dann enttäuscht verlassen hatte.

Vor dem Festsaal ging sie zu ihm, als er rauchend an der Tür stand. Sie wollte sich zumindest erklären.

„Bist du immer noch wütend auf mich?“

Er schnippte die Zigarette weg und sah sie mit offener Verachtung an. „Wütend? Du glaubst, ich bin wütend? Lass mich raten – Maya hat endlich herausgefunden, wer ich bin, und jetzt will sie ‚den Kontakt wieder aufnehmen‘. Noch eine Chance, jetzt, wo sie weiß, dass mein Nachname Geld bedeutet.“

Als sie versuchte, das abzustreiten, fiel er ihr ins Wort. „Du warst eine unbedeutende Episode. Eine Fußnote. Wenn du heute Abend nicht aufgetaucht wärst, hätte ich mich nicht einmal an dich erinnert.“

Tränen brannten in ihren Augen. Fast hätte sie ihm von seiner Tochter erzählt, doch sie hielt sich zurück. Er würde nur denken, dass sie das Kind benutzte, um ihn in die Falle zu locken und an sein Geld zu kommen.

Maya schluckte ihre Worte hinunter und ging, in der Gewissheit, dass sich ihre Wege nie wieder kreuzen würden – nur damit er danach immer wieder in ihrem Leben auftauchte, bis er es schließlich war, der sich herabließ und sie demütig anflehte, ihn zurückzunehmen.

Kapitel 1

Perspektive von Maya:

Die Nachmittagssonne schnitt durch die bodentiefen Fenster der Zentrale von Garrison Industries und warf scharfe Schatten über meinen neuen Mahagonischreibtisch. Bostons Financial District erstreckte sich unter mir, eine Schlucht aus Stahl und Glas, in der Ehrgeiz wie Hitzeflimmern vom Asphalt aufstieg.

„Maya, wie lebst du dich ein?“

Ich blickte auf und sah, wie Sarah an meiner Trennwand lehnte und eine dampfende Tasse Kaffee wie einen Rettungsanker umklammerte. „Kommst du mit der Umstellung von Cleveland gut zurecht? Das Tempo hier kann … ganz schön heftig sein. Selbst für uns Einheimische.“

Bevor ich eine höfliche Antwort über die Pünktlichkeit der T oder die horrenden Mieten in Somerville formulieren konnte, rollte Mark mit der Begeisterung eines Golden Retrievers auf seinem Bürostuhl heran.

„Apropos Cleveland“, warf er ein, und seine Augen leuchteten hinter der dickrandigen Brille auf. „Mein alter Mitbewohner aus dem College lebt dort. Er hört gar nicht mehr auf, von der dortigen Food-Szene zu schwärmen. Er erwähnt ständig dieses eine Gericht … wie hieß es noch gleich? Pierogi? Irgendeine Teigtasche mit Kartoffel-Käse-Füllung?“

Die beigefarbene Aktenmappe glitt mir aus den Händen und traf mit einem dumpfen Schlag auf den Teppich, der in der plötzlichen Stille meines Verstandes ohrenbetäubend laut klang. Pierogi war nicht einfach nur ein Gericht – es war ein Schlüssel, rostig und schartig, der sich gewaltsam in einem Schloss drehte, das ich fünf Jahre lang zuzuschweißen versucht hatte.

Das sterile Bostoner Büro löste sich auf. Die Skyline schmolz dahin. Ein verschneiter Winter im Mittleren Westen krachte in meine Brust und raubte mir den Atem.

Vor fünf Jahren.

Die Erinnerung traf mich mit dem Geruch von gebratenen Zwiebeln und billigem Kaffee. Mrs. Kowalskis Diner am Stadtrand von Cleveland – beschlagene Fenster, rissige Vinyl-Sitzbänke und die besten Pierogi der Stadt. Ich war zweiundzwanzig, kam frisch vom College, ertrank in Studienkrediten und meinem ersten richtigen Job. Und er war da.

„Du bist schon wieder hier“, hatte ich gesagt und war ungefragt in die Sitzbank ihm gegenüber gerutscht. „Das dritte Mal diese Woche. Entweder du stalkst mich, oder du bist ernsthaft süchtig nach diesen Pierogi.“

Er hatte von einem Taschenbuch aufgesehen, sein Grinsen langsam und entspannt. „Könnte dich dasselbe fragen.“

„Maya.“ Ich hatte ihm meine Hand gereicht, die vom Herweg noch kalt war.

„Adam.“ Sein Händedruck war warm, fest.

So hatte es angefangen. Sechs Monate lang dachte ich, ich hätte die Ausnahme von jeder zynischen Regel über modernes Dating gefunden. Wir waren zwei Niemande, die sich abstrampelten, allein gegen den Rest der Welt, und wir teilten uns billiges Take-away und Träume von einer Zukunft ohne Überziehungszinsen.

Dann war er weg.

Es passierte nach einem Streit. Ich hatte erwartet, ihn am nächsten Tag bei Mrs. Kowalski, unserem Stammplatz, zu sehen. Aber seine Sitzbank war leer. Ich wartete die gesamte Mittagspause über und versuchte dann, ihn anzurufen. „Die gewählte Rufnummer ist nicht vergeben.“ Ich ging zu seinem Wohnhaus, einem unscheinbaren Backsteingebäude ohne Aufzug, nur um den Vermieter dabei anzutreffen, wie er seinen Namen vom Briefkasten kratzte. „Ist gestern ausgezogen“, grummelte der alte Mann. „Hat bar bezahlt, um aus dem Mietvertrag zu kommen.“

Ich ging zu der Zweigstelle, in der er arbeitete, aber die Empfangsdame starrte mich nur mitleidig an – niemand dieses Namens hatte jemals auf der Gehaltsliste gestanden. Jede Spur von „Adam“ war getilgt worden. Ich verbrachte Tage damit, mich in den Schlaf zu weinen, umklammerte die abgerissenen Eintrittskarten und die Zahnbürste, die er bei mir gelassen hatte, während die Leere mich vollends zu verschlingen drohte.

Dann kam der zweite Schlag: der positive Test.

Die Übelkeit, die ich auf Stress geschoben hatte, entpuppte sich als morgendliche Schwangerschaftsübelkeit. Schwanger und verängstigt arbeitete ich die ersten beiden Trimester hindurch weiter und klammerte mich an meinen Job wie an einen Rettungsanker, selbst als mein Körper anschwoll und mein Herz gebrochen blieb. Im siebten Monat siegte schließlich die Verzweiflung. Er hatte einmal beiläufig erwähnt, dass er aus Boston stammte. Also kündigte ich, packte das Wenige, das ich besaß, und kam in Chloes Gästezimmer unter – mit schwindendem Kontostand und einem dicken Bauch.

Drei Wochen lang streifte ich jeden Tag durch die Straßen von Back Bay, Beacon Hill und dem Seaport. In der festen Überzeugung, dass das Schicksal ihn mir einfach … in den Weg stellen würde.

Das tat es nicht.

Was es mir stattdessen bescherte, waren Schmierblutungen und ein Schrecken, der mich für eine Woche ins Krankenhaus brachte.

„Maya.“ Chloe hatte an meinem Bett gesessen und meine Hand gehalten. „Wenn Adam gefunden werden wollte, würde er sich finden lassen. Du bist schwanger. Du musst jetzt auf dich aufpassen.“

„Aber –“

„Wenn ihr beide dazu bestimmt seid, euch wiederzufinden, werdet ihr es auch. Aber jetzt gerade musst du aufhören zu suchen und anfangen zu überleben.“

Also war ich nach Cleveland zurückgekehrt. Hatte Amy bekommen. Mir ein Leben aufgebaut.

„Maya? Hey, Maya?“

Sarahs Stimme schien wie durch Wasser zu dringen, verzerrt und weit entfernt. Ich blinzelte rasch und zwang das sterile Büro wieder in den Fokus. Mein Herz hämmerte wie ein gefangener Vogel gegen meine Rippen. Ich blickte hinab auf die zu Boden gefallene Akte, dann wieder auf zu Sarahs besorgtem Gesicht und Marks verwirrter Miene.

„Mir geht's gut“, sagte ich, und meine Stimme klang in meinen eigenen Ohren brüchig. Ich bückte mich, um die Mappe aufzuheben, und nutzte die Bewegung, um das Zittern meiner Hände zu verbergen. „Mir ist nur … ein bisschen schwindelig. Hab das Frühstück ausgelassen. Es geht schon.“ Ich zwang mich zu einem Lächeln, das schmal und wenig überzeugend ausfiel, aber ausreichte, damit sie mich in Ruhe ließen. „Zurück an die Arbeit.“

Bevor das Schweigen unangenehm werden konnte, summte die Gegensprechanlage auf meinem Schreibtisch und erlöste mich.

„Maya“, drang Julian Garrisons Stimme knisternd durch den Lautsprecher. „Halten Sie sich den Abend frei. Wir nehmen heute Abend an der Sterling Global Charity-Gala teil. 19 Uhr. Black Tie.“

„Ja, Mr. Garrison.“

Ich kannte das Spiel. Eine frische Versetzung nach Boston bedeutete Networking-Events, und Julian musste das Austin-Projekt an Land ziehen. Das gehörte einfach zum Job.

Zwei Stunden später stand ich im Gästezimmer von Chloes Apartment in Back Bay, während die späte Nachmittagssonne durch die Jalousien sickerte. Das Zimmer war ein Chaos aus unausgepackten Umzugskartons und Spielsachen – ich war seit kaum einer Woche in Boston und viel zu sehr mit Arbeit eingedeckt, um auch nur einen Blick auf Wohnungsanzeigen zu werfen.

„Mami, du siehst aus wie eine Prinzessin!“

Amy saß im Schneidersitz auf dem Boden und plapperte mit einem Topffarn, den sie ‚Mr. Green‘ getauft hatte. Sie drehte sich um, ihre grau-grünen Augen groß vor Freude. Ihre goldenen Locken wippten, als sie sich aufrappelte.

„Findest du, mein Schatz?“ Ich hockte mich hin und strich das nachtblaue Abendkleid glatt, das Chloe mir geliehen hatte. Es war ein Stück von Christian Louboutin, das mein Budget bei Weitem überstieg; Seide, die wie Wasser fiel.

„Auf jeden Fall“, sagte Chloe und lehnte sich an den Türrahmen. „Geh schon. Hau sie um.“

Ich drückte Amy fest an mich und atmete den Duft von Babyshampoo ein. „Du bist schön brav bei Tante Chloe, okay?“

„Ich bin immer brav!“, verkündete Amy.

Der Veranstaltungsort war eines der historischen Hotels von Boston direkt am Wasser, ein Ort, der nach altem Geld, Mahagoniholz und Lilien roch. Der große Ballsaal wurde von Kronleuchtern erhellt, deren Kristalle wie gefrorene Tränen herabtropften, und füllte sich bereits mit der Elite der Stadt.

Ich ging neben Julian und umklammerte meine Tasche wie einen Schutzschild. In dem Seidenkleid fühlte ich mich wie eine Hochstaplerin. Julian hingegen bewegte sich mit routinierter Leichtigkeit durch den Raum, nickte potenziellen Investoren zu, seine Haltung ruhig und gelassen.

„Bleiben Sie einfach in meiner Nähe“, sagte Julian leise und nahm sich ein Glas Champagner von einem vorbeigetragenen Tablett. „Wir müssen heute Abend bei der Chefetage von Sterling Eindruck hinterlassen.“

Plötzlich ebbte das Stimmengewirr ab. Keine völlige Stille, sondern ein andächtiges Schweigen, das sich vom Haupteingang am oberen Ende der Treppe wellenartig ausbreitete. Die Luft schien sich schlagartig mit einer unerwarteten Schwere aufzuladen.

Ich blickte auf und folgte den Blicken der Menge.

Am oberen Ende der Treppe stand ein Mann in einem anthrazitfarbenen Anzug, der sich mit einer unnahbaren, raubtierhaften Anmut bewegte. Groß, breitschultrig – die Art von Präsenz, die mühelos alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Eine Saphir-Reversnadel schimmerte kalt auf dem dunklen Stoff.

Mein Atem stockte. Die Welt geriet ins Wanken.

Es war ein Gesicht, das ich im Dunkeln mit meinen Fingerspitzen nachgezeichnet hatte. Ein Gesicht, nach dem ich fünf qualvolle Jahre lang in jeder Menschenmenge gesucht hatte.

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